Sendung vom Sonntag, 22.8.2010 | 14.05 Uhr | SWR2
Die Meisterdiebe Franz und Erich Sass und die 20er-Jahre in Berlin
Von Gabi Schlag

Dreharbeiten zum Film "Sass - Die Meisterdiebe"
Es ist eine bemerkenswerte Geschichte. Die Geschichte der Meisterdiebe Franz und Erich Sass. Von 1925-1935 hielten die beiden Ganoven Berlin in Atem. Sie waren die Lieblinge der Presse und der Berliner. Nach ihren Einbrüchen gaben sie Pressekonferenzen im Restaurant Lutter und Wegner, und sie waren das Vorbild für Paul Gurks Roman "Tresoreinbruch" (Berlin 1935). Von der Polizei wurden sie gejagt, verhört, in Untersuchungshaft gesperrt, aber letzten Endes immer wieder wegen Mangel an Beweisen auf freien Fuß gesetzt. Ihr Gegenspieler, der Kriminalkommissar Max Fabich, hatte im Laufe der Jahre ein fast freundschaftliches Verhältnis zu den beiden entwickelt.
Ihr größter Coup: die Diskontobank am Wittenbergplatz. Sie leeren alle Safes und verstecken den Schatz. Bis heute weiß niemand, wo. Nur Max Fabich war sich sicher: irgendwo im Grunewald.
Mit der Machtergreifung Hitlers fliehen die Brüder nach Dänemark, vier Jahre später werden sie an Nazideutschland ausgeliefert, in das KZ Sachsenhausen gebracht und vom späteren Auschwitzkommandanten Rudolf Höß ermordet.
Die Brüder Sass haben nie jemandem ein Haar gekrümmt. Da hatten sie ihre Ehre. Und mit ihnen all die anderen Ganoven der 20er-Jahre in Berlin: Muskel-Adolf, Mollen-Albert, Klamotten-Emil und Palisaden-Ede und natürlich Aktien-Mietze. Die Geschichte der Gebrüder Sass führt uns in das Berlin der 20er-Jahre, zur Großstadtkriminalkultur und zu der Frage, warum echte Gauner eigentlich immer Moralisten sind - und ob es heute überhaupt noch welche gibt. Mit Einschüben aus dem Roman von Paul Gurk "Tresoreinbruch" (Berlin 1935).
Letzte Änderung am: 15.08.2010, 04.54 Uhr