Sendung vom Donnerstag, 26.6.2008 | 20.03 Uhr | SWR2
Von der Cap Anamur zu Frontex und Europas neuen Lagern
Von Roman Herzog
(Produktion: NDR/SWR 2008)
Nachdem im Sommer 2004 die Cap Anamur 37 Schiffbrüchige im Mittelmeer gerettet hatte, wurden Kapitän Stefan Schmidt und der Leiter der Hilfsorganisation Elias Bierdel wegen Beihilfe zur illegalen Einreise angeklagt. Seit Ende 2006 läuft in Agrigento auf Sizilien der Prozess. Zeitgleich mit dem „Fall“ Cap-Anamur wurde die deutsche Öffentlichkeit vom damaligen Innenminister Otto Schily über die EU-Pläne zu außereuropäischen Lagern informiert. Verschwiegen wurde, dass diese Lager vor den Süd- und Ostgrenzen Europas längst existieren. Allein in Libyen werden in teils EU-finanzierten Lagern 60.000 Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten, teilweise jahrelang. Seit Frühjahr 2007 hat die europäische Grenzschutzagentur Frontex mit schnellen Eingreiftruppen im Mittelmeer begonnen, in Zusammenarbeit mit den EU-Anrainerstaaten die Flüchtlinge mit militärischen Mitteln zur Umkehr zu zwingen. Seitdem schnellen die Zahlen der Toten in die Höhe. Für Menschenrechtler ist es keine Frage: Was sich im Mittelmeer abspielt ist ein einseitiger, unerklärter Krieg.
Letzte Änderung am: 26.06.2008, 17.02 Uhr
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