Sendung vom Montag, 4.7.2011 | 22.05 Uhr | SWR2
Wenn die Musik an ihre Grenzen stößt
Von Jan Reichow
Von der grenzüberschreitenden Kraft der Musik ist oft die Rede, wenn es um Blasmusik, „Lili Marleen“ oder Beethovens „Ode an die Freude“ geht. Als transkulturell gilt aber weder ein epochales Werk wie Schönbergs „Erwartung“ noch die 1000-jährige Gagaku-Musik Japans, weder eine Klavierminiatur von György Kurtág noch die physiologisch maskierte Geisterstimme aus Gabun. Avancierte Kunst sucht zuweilen den Weg in reales, fremdes Gelände, - verkennend, dass dies den dort beheimateten Künstlern durchaus nicht fremd ist; im Gegenteil, erst die fremden Projektionen befremden sie. Und die Grenzen im Kopf blockieren wechselseitig jene mentale Öffnung, die aller echten Musikerfahrung vorausgeht.
Letzte Änderung am: 05.07.2011, 09.46 Uhr