Sendung vom Dienstag, 6.2.2007 | 21.03 Uhr | SWR2
Jean Pauls Konzerte
Von Christine Wunnicke
Die Damen von Weimar waren geteilter Meinung, was sie von Jean Pauls Klavierspiel zu halten hatten. Manche "zerflossen zu warmem Brei", andere sorgten sich um ihre schönen Fortepianos. "Wie ein Donnerwetter fuhr Herr Richter darauf herum mit lauter Fantasien", beschwerte sich Frau von Stein, nachdem der Dichter des "Hesperus" ihr neues Instrument eingeweiht hatte. Und immer kamen ihm die Tränen. Wenn er vor Rührung nicht weiterspielen konnte, begann er zu erzählen, von großen Reisen, die er einmal unternehmen würde, von der großen Liebe, die er eines Tages finden wolle, und er wob seine Metaphern, bis man ihn kaum mehr verstand.
Wahrscheinlich besuchte Jean Paul erst mit Ende 20 zum ersten Mal Konzerte und Opern. Auch hier zerfloss er regelmäßig in Tränen - und schrieb dann, zum Erstaunen seiner Begleiter, überaus bissige Kritiken.
Letzte Änderung am: 22.01.2007, 14.10 Uhr