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SWR2 Essay „U“ und „E“? „U“ und „V“

Sendung vom Dienstag, 1.4.2008 | 21.03 Uhr | SWR2

Über den Unterschied zwischen ‚ernster’ und ‚Unterhaltungsmusik’
Eine These und ein terminologischer Vorschlag
Von Jens Hagestedt

Wenn es sie nicht gäbe - müsste man sie >erfinden<? Müsste man sie treffen, die Unterscheidung zweier Sphären der Musik, wie immer man sie bezeichnete? Unmöglich, in den heutigen Industriegesellschaften aufzuwachsen, ohne Musik stets auf die Unterscheidung von E und U oder deren terminologische Varianten beziehen zu lernen. Daß ein hochqualifizierter und unvoreingenommener Modern-Jazz-Hörer auch ohne die Begriffe >ernste Musik< und >Unterhaltungsmusik< im Hinterkopf einen kategorialen Unterschied wahrnähme, wenn man ihn mit einem späten Beethoven-Quartett konfrontierte, mag anzunehmen sein. Aber würde er nicht einen ebenso großen Unterschied zwischen dem Modern Jazz und der Massenware der Popbranche empfinden? Würden die Chansons von Berlioz oder Debussy einen Aznavour- oder Becaud-Verehrer hierzulande nicht viel verwandter anmuten, als die sogenannten >volkstümlichen Schlager< des »Musikantenstadels«? Strittig, wohlgemerkt, ist nicht, daß es zwischen derlei Machwerken ganz unten und, sagen wir, der >Kunst der Fuge< ganz oben ein Kontinuum des musikalischen Wertes gibt; »daß die musikalische Wirklichkeit auf einer Skala angesiedelt ist, die man beliebig unterteilen kann«, um den Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus zu zitieren. Strittig ist, nochmals mit Dahlhaus, ob »die graduelle Unterscheidung [zurecht] von einer prinzipiellen, eben der Dichotomie von E- und U-Musik, >überformt<« wird.

Letzte Änderung am: 29.03.2008, 03.15 Uhr