Sendung vom Montag, 1.3.2010 | 22.48 Uhr | SWR2
Von Barbara Kiem
"Nicht zum Tanzen", so lautet die Notiz zu einer Walzerkomposition, die der junge Frédéric Chopin an seine Familie nach Warschau sandte. Die überschwängliche Begeisterung der Wiener für ihren Walzer konnte er nicht nachempfinden. Als er 1831 nach Paris übersiedelte, fühlte er sich abgestoßen von den Massenveranstaltungen einer tanzwütigen Gesellschaft und der Tyrannei des Musikmarktes. Für seine Auftritte als Pianist bevorzugte Chopin die intimere Atmosphäre des Salons; hier erwartete ihn ein ausgewähltes, kunstinteressiertes Publikum.
Die kompositorische Auseinandersetzung mit dem Walzer als Modetanz der Epoche hat Chopin erstaunlich konsequent ausgetragen. Seine Klavierwalzer zeigen eine zunehmende Tendenz der pianistischen Stilisierung – die Ablösung vom Gebrauchscharakter des Genres – ohne das Walzer-Idiom zu gefährden. Elegant und poetisch zugleich verwirklichen Chopins Walzer eine romantische Intention: die Sehnsucht nach der Leichtigkeit, dem Schweben. Sie sind, wie Robert Schumann schreibt, "nicht Tänze des Körpers, sondern der Seele".
Letzte Änderung am: 03.03.2010, 11.24 Uhr
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