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Die wichtigsten Quellen der historischen Aufführungspraxis. Eine Sendereihe in sieben Teilen vom 9.2. bis 22.3.2012

Die Mozart-Kinder mit Vater Leopold
Geigenstunden bei Mozarts Vater und Klavierunterricht bei Bachs Sohn – das kann man heute noch bekommen: Beide haben Instrumentalschulen geschrieben, in denen man Schritt für Schritt die Spieltechnik des Instruments lernt. Doch es geht darin nicht nur um Fingerfertigkeit, Anschlag und Bogenstriche; man erfährt auch Wesentliches über die Musikästhetik der Zeit. Und darüber, wie man Musik lebendig gestalten kann: dass sie atmet und schwingt, fließt und pulsiert – eben mit Herz und Seele und nicht nur nach dem Dressurprinzip des »abgerichteten Vogels«, das für Carl Philipp Emanuel Bach der Inbegriff des Grauens ist. Das Zitat aus seinem »Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen« gab unserer Sendereihe den Namen.
Welches Tempo ist das richtige? Wie hat man damals artikuliert und phrasiert? An welchen Stellen soll man eine Verzierung einbauen und wo darf man das auf keinen Fall tun? Darauf geben die zeitgenössischen Traktate Antworten. Für Musiker, die sich mit Alter Musik beschäftigen, sind sie unschätzbar wertvoll. Denn die Noten aus Barock und Renaissance bieten oft nicht viel mehr als ein dürres Gerüst, das man mit Leben und mit eigenen Ideen füllen muss. Aber auch wenn man seinen Mozart und Quantz, Mattheson und Bernhard gelesen hat, stellt sich schnell die Gretchenfrage: Sollte man heute genau so spielen wie es die alten Quellen empfehlen, oder entstehen gerade durch das Festhalten an den Regeln Zwänge, die die eigene Inspiration ausbremsen?
Seit den 1950er Jahren beschäftigen sich Musiker ernsthaft und in großem Stil mit diesen Fragen. Seither hat die historische Aufführungspraxis eine erstaunliche Entwicklung gemacht. Vieles, was in den Anfängen noch sehr befremdlich war – wie zum Beispiel kleine Chorbesetzungen, die Verwendung von originalen Instrumenten oder der sparsame Gebrauch von Vibrato –, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Anders als die Pioniere der historischen Aufführungspraxis, können sich heutige Musikstudenten an zahlreichen Vorbildern orientieren. Der Umgang mit den Quellen ist freier und kreativer geworden. Nach zwei Generationen historischer Aufführungspraxis lohnt sich ein neuer Blick in die alten Bücher und Spielanweisungen. Daraus filtern führende Musiker und Forscher der Alten Musik in unserer Sendereihe die Essenzen heraus.
Letzte Änderung am: 07.02.2012, 16.53 Uhr