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SWR2 Meinung Der Bundespräsident inspiriert die Mainzer Fassenacht

Von Ludger Fittkau. SWR2 am Morgen, 16.02.2012

O-Ton:

11.11 Uhr ganz genau. Herzlich Willkommen hier in der Wagenhalle am Dienstag vor dem tollen Tagen. Pressekonferenz zur Mainzer Straßenfassnacht 2012.

Gestern Morgen in einem Industriegebiet im Mainzer Vorort Mombach. Dicht an dicht stehen die Motivwagen für den Mainzer Rosenmontagszug. Am Wulff-Wagen wird noch gearbeitet. Der Styropor-Körper des Bundespräsidenten ist jedoch schon fertig modelliert. Wulff sitzt als überlebensgroßer, angeschlagener Boxer in der Ecke eines Box-Rings, die Arme mit den klobigen Fäustlingen an den Händen hängen schlaff herunter. Jürgen Schmidt aus der Leitung des Mainzer Rosenmontagszugs berichtet während der Pressekonferenz, dass mit der Arbeit an den Motivwagen bereits lange vor Weihnachten begonnen wird. Beim Wulff-Wagen bangten die Narren deshalb bis zuletzt:

O-Ton
Hält er noch durch oder hält er nicht durch? Wir hatten jedenfalls eine E-Mail ans Bundespräsidialamt geschrieben, wenn, bitte einen Rücktritt erst nach dem 22.2. Also, unsere Stimme ist erhört worden.

Doch Wagenbauer Dieter Wenger ist auch darauf vorbereitet, wenn Christian Wulff doch noch vor dem Rosenmontag zurücktreten sollte:

O-Ton:
Also, ich habe die Figur so gebaut, die hat Gelenke in den Knien drin. Wenn er jetzt noch zurücktreten sollte, dann liegt er flach auf dem Boden und ist k.o.

Für das Mainzer Narrenvolk wäre somit ein Rücktritt Wulffs am kommenden Sonntagabend besonders interessant: Bei der Vorstellung der Motivwagen am Fassnachtssonntag in der Innenstadt könnten sie den angeschlagenen Wulff bewundern, am Rosenmontag bekämen sie dann den k.o.- gegangenen Bundespräsidenten im Zug präsentiert.

Narhalla-Marsch

Der Mann heißt tatsächlich Wulf. Auch wenn sich der Nachname von Rolf Wulf, dem Protokoller der Mainzer Ranzengarde nur mit einem „F“ schreibt, ist er geradezu prädestiniert, bei der so genannten „Prunkfremdensitzung“ der Garde den Bundespräsidenten aufs Korn zu nehmen. Rolf Wulf beschreibt die Situation, als Christian Wulff im Dezember auf dem Weg zum Sultan von Oman dem Bild-Chef Kai Dieckmann auf die Mailbox spricht:

O-Ton
Da wird er bös, der Präsident, hat auf die Mailbox wild geschimpft,
das nennt man „Wulffen“ kurz und knapp und schneidet Pressefreiheit ab,
so wird die Bildzeitung ganz banal, zum Anstandshüter von Moral.

Beifall für diese kritischen Worte zu Christian Wulff in der Bütt gibt’s auch vom Generalfeldmarschall der Ranzengarde. Das ist der ehemalige CDU-Politiker Johannes Gerster, ehemaliger Landesvorsitzender der rheinland-pfälzischen Union und 1996 Gegenkandidat von Kurt Beck bei den Landtagswahlen:

O-Ton
Ich bin der Meinung, das dieser Versuch, die Presse zu beeinflussen eines Bundespräsidenten unwürdig ist und bin der Meinung, das gerade das höchste Staatsamt, das etwas mit moralischen Ansprüchen zu tun hat, eben auch von Leuten vertreten sein muss, die diesen moralischen Ansprüchen entsprechen. Nach meiner Überzeugung ist Wulff nicht akzeptabel.

Bei den Mainzer Narren hört beim Thema Wulff der Spaß langsam auf, stellt auch Fassnachts-Wagenbauer Dieter Wenger fest:

Wenn man so die Meinung von den Leuten hört, denen hängt es ja bald zum Hals raus

Auch die Büttenrede des Ranzengarde-Protokollers Rolf Wulf endet mit einer sehr ernst gemeinten Bitte an seinen Namensvetter, durch Rücktritt der Agonie in Bellevue ein Ende zu bereiten. Hinzufügen bleibt: Aber bitte am Sonntagabend. Den Mainzer Narren zuliebe.

Ludger Fittkau

Letzte Änderung am: 16.02.2012, 08.55 Uhr

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Der Bundespräsident inspiriert die Mainzer Fassenacht

Von Ludger Fittkau. SWR2 am Morgen, 16.02.2012

3:19 min

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