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Das Weltsozialforum in Porto Alegre. Von Silke Arning. SWR2 am Morgen, 27.01.2012
Eine andere Welt ist möglich, lautet der Schlachtruf der Aktivisten von Porto Allegre. Tatsache ist: die Welt ist bereits anders, ganz anders. Die Globalisierung, die auf dem Weltsozialforum immer wieder als Wurzel allen Übels angeprangert wird, hat die Karten neu gemischt und vielen Menschen Wohlstand gebracht: es gibt inzwischen einen potenten Mittelstand in Indien und China, der mit 500 Millionen Menschen mehr als die Hälfte der Bevölkerung Europas ausmacht.
Die Gewinner sitzen jetzt auch im Süden, ebenso wie sich immer mehr Verlierer im Norden wiederfinden. Der böse Kapitalist, für den Gewinnmaximierung und hohe Renditen die Krönung seines im Grunde jämmerlichen Daseins darstellen, treibt in Afrika sein Unwesen, ebenso wie in Brasilien oder in Großbritannien. Darum macht es überhaupt keinen Sinn über die hoch verschuldeten Griechen herzuziehen. Die Deutschen stehen derzeit mit unglaublichen 2030 Milliarden Euro in der Kreide. Und es bringt überhaupt nichts, sich angesichts der weltweiten Herausforderungen – Finanzen, Klima, Armut – wieder auf die eigene nationale Insel zurückziehen zu wollen.
Die Situation ist spannend: in Davos lecken sich die angeschlagenen Topmanager und Staatschefs dieser Welt ihre Wunden: der Kapitalismus sei nicht das Wirtschaftsmodell, das die globalen Probleme lösen könne, hört man. Die Einsicht ist also da, doch noch verhalten sich alle nach dem Motto: wer sich zuerst bewegt, hat verloren, wer zuerst die Transaktionssteuer einführt, hat schlechte Karten, warum beim CO2-Ausstoß verzichten, wenn die anderen in den Entwicklungsländern jetzt erst richtig los legen. Das ist zu kurz gedacht: Diese Welt hat eine Zukunft, wenn wir anfangen endlich Konsequenzen aus dieser Krise zu ziehen, wenn sich die reichen Chinesen, die reichen Amerikaner und die reichen Deutschen für die Armen auf diesem Planeten verantwortlich fühlen. Die Lasten verteilen, für Ausgleich sorgen – es geht um eine neue Weltsozialordnung, um eine globale Solidarität. Keine leichte Aufgabe, aber nicht unlösbar. Das Schöne ist: wir sind schon auf dem Weg.
Silke Arning
Letzte Änderung am: 27.01.2012, 08.27 Uhr