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Das Hamburger Thalia-Theater und die Pius-Bruderschaft. Von Michael Laages. SWR2 am Morgen, 24.01.2012
Nein - kein Staatsanwalt, kein Ordnungsamt spielt mit bei derlei Affentheater, schon gar nicht im liberalen Hamburg; und vor die einstweilige Verfügung, gar vor ein Verbot hat die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland bekanntlich generell und grundgesetzlich die Freiheit der Kunst gesetzt. So musste das Thalia Theater im Grunde nur ein halbes Dutzend stämmiger Jungs vom Ordnungsdienst vor die zentrale Einfahrt zum Theater-Gelände stellen, um schon dort recht streng die Eintrittskarten zu kontrollieren. Der Aufruhr, wenn’s denn einer war, blieb draußen vor der Tür; im Theater gingen gerade mal drei Besucher vor der Zeit. Ohne Worte des Protests – kein Wunder: Wem aus dem fundamentalen Christen-Lager ist das eigene Bekenntnis schon 20 Euro und mehr für ein Ticket wert?
Nein und nochmal nein - wenn Protestler in Fragen der Künste wirklich wirken wollen würden, dann nur hart am Rande oder außerhalb der Legalität; beim Gastspiel dieser (nebenbei bemerkt: elend langweiligen und ästhetisch ziemlich vorgestrigen!) Aufführung in Paris ging der Widerstand –wie zu hören war- durchaus härter zur Sache. Wer nicht wenigstens den energischen Einsatz der Polizei riskieren will (wenn etwa die Zufahrt zum Veranstaltungsort phantasievoll gestört würde), wer sich nicht bis nah an die Gefahr der Verhaftung begibt (wenn etwa das normale Publikum genötigt oder gar attackiert werden sollte), der hat keine Chance in so einem Fall – und wirkt nur elend lächerlich. Wie diese Sternsinger vor der Theatertür - frierend harrten sie aus im Hamburger Schmuddelwetter, gierig umschwirrt im Grunde nur von der lokalen Journaille ... aber mehr Skandal als der immer wieder kehrende (und überhaupt nicht ironisch gemeinte) Ruf „Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!“ war einfach nicht zu haben. Und die angeblich so vehement fortschreitende Renaissance der Religionen in diesen aufgeklärten Zeiten auch bei uns hat schiitische Ausmaße halt noch lange nicht erreicht; vom Verbrennen dänischer Flaggen wie im Streit um die Mohamed-Karikaturen sind wir weltenweit entfernt.
Und das ist gut so. Fast sträubt sich ja das journalistische Bewusstsein, derlei schlechte PR-Scherze überhaupt zur Kenntnis zur nehmen; von der Pius-Bruderschaft zumal, der mit dem englischen Nazi-Bischof zumal! Hat also der Skandal, der keiner war, sonst noch wem genützt? Ja. Dem Thalia Theater. Der Run auf die Karten gestern abend war beträchtlich.
Michael Laages
Letzte Änderung am: 24.01.2012, 08.28 Uhr