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Die Finanzminister beraten über die monetäre EU-Krise, Hans Gerzlich SWR2 am Morgen vom 06.02.2012
"Der Euro muss weg! Der Euro muss weg!" Sagen ja alle, ne!? Gut, außer die Merkel. Und vielleicht noch mein Nachbar, weil der in so einen Euro-Fond investiert hat. Aber sonst alle. Ich jetzt auch. Der Euro muss doch weg, ich kann das nicht mehr hören mit Schuldenschnitt, Rettungsschirm, Euro-Gipfel...
Die EU-Finanzminister haben ja mittlerweile selbst den Kragen gestrichen voll. Die können das ganze Palaver selbst nicht mehr hören - und haben deshalb ihren für heute anberaumtes Kaffeekränzchen... äh, ihre Ministertagung wieder abgesagt.
Der Schäuble hat gesagt: „Nee, komm, nicht schon wieder DAS Thema! Müssen wir denn immer über den Euro sprechen? Nur, weil ich Finanzminister bin?“
Recht hat der Mann – und deshalb muss der Euro weg!
Ach was, wir sollten das Geld generell abschaffen!
Bringt doch nur Ärger. Wie sagt der Volksmund? "Beim Geld hört die Freundschaft auf!"
Also: Zurück zur Natur - besser gesagt: Zur Naturalwirtschaft!
Dann gibt es kein Geld mehr, um das man sich streiten könnte, keinen Euro, keine EZB, kein IWF, keinen EFSF-Rettungsschirm, keine Banken, keine Banker, keine Politiker... alles wär in Butter.
DIE könnte man dann allerdings nicht mehr im Supermarkt kaufen - denn Supermärkte gäbe es dann auch nicht mehr. Wir würden wieder tauschen. Ein Päckchen Butter, eine Fleischwurst und 10 Eier gegen einen selbstgestrickten Wollpullover. Bei den Temperaturen derzeit könnte man vielleicht sogar den Preis auf 20 Eier hochtreiben.
Hat doch früher auch funktioniert. Im Mittelalter. Da haben die Bauern ihr Vieh noch lebend zum Markt getrieben. Das hatte den Riesenvorteil, dass man die Schweine, die man nicht verkauft gekriegt hat, wieder mitnehmen konnte – und nicht erst ein paar Jahre als Dönerspieße einfrieren musste, bevor man sie als Gammelfleisch wieder unter die Leute bringen konnte.
Alles war toll, alles war entspannt, jeder hat seine eigene Kleidung hergestellt, seine eigenen Waffen geschnitzt... Einer konnte gut aus Bärenfellen so Westen nähen, ein anderer gut Sandalen. Dann haben die getauscht – und waren glücklich und zufrieden.
Ein anderer konnte gut Keulen schnitzen. Dann ist der Bärenfellwestenschneider, als er beim Sandalenmacher fertig war, zu dem Keulenschnitzer gegangen und hat gesagt: "Guten Tag, wollen Sie nicht zufällig eine Fellweste gegen eine von ihren Keulen tauschen?" Da hat der Keulenmacher etwas irritiert geguckt - und hat dem Schneider seine Keule auf den Kopp gekloppt. Jetzt hatte der immer noch seine Keule, dazu aber noch eine Fellweste - und wenn die richtige Größe hatte, auch noch ein Paar neue Sandalen dazu.
Man sieht schon, das System hatte noch grundlegende Schwächen, nämlich dass es noch kein Staatswesen gab. Ein Staatswesen, das gesagt hat: "Wenn hier einer die Keule schwingt oder dir die Fellweste über die Ohren zieht, dann bin ICH das!"
Ein Staatswesen, dass aber auch dafür sorgt, dass man sicher über die Straße gehen kann, ein Recht auf medizinische Versorgung hat oder die Bundeskanzlerin eine „Blöde Kuh“ nennen darf, ohne gleich im Arbeitslager auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.
Und jetzt mal ganz im Ernst: Wollen wir in Zukunft wieder Angst vor den Nachbarn haben müssen? Denen im Nachbarhaus oder im Nachbarland? Oder die vor uns? Wollen wir in Zukunft lieber weiter auf Euro, Drachme, Pesete oder D-Mark verzichten - oder auf Supermärkte?
Verschwendung und Korruption müssen weg – der Euro muss bleiben!
Herr Schäuble, übernehmen Sie!
Hans Gerzlich
Letzte Änderung am: 06.02.2012, 09.20 Uhr