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Und will mit unserer Privatsphäre Geld scheffeln
Von Klaus Hempel
SWR2 am Morgen, 02.02.2012
Stellen Sie sich eine Firma vor, bei ihnen zu Hause um die Ecke: Eine kleine Klitsche mit 15 Mitarbeitern, der Jahresgewinn liegt so um die 300, 400tausend Euro. Irgendwann kommt der Chef der Firma auf Sie zu und sagt: „Wenn Sie Lust haben, können Sie sich an meiner Firma beteiligen.“ Und als Sie ihn fragen, was seine Firma denn wert sei, antwortet er: „100 Millionen Euro!“ Wahrscheinlich würden sie denken: Der Typ hat sie nicht mehr alle! Bei Facebook ist das ähnlich, auch so eine kleine Klitsche, die aber mit astronomischen Summen bewertet wird.
Der Börsengang dürfte so ziemlich alles, was man bisher erlebt hat, in den Schatten stellt. Der Unternehmenswert von Facebook wird im Moment irgendwo zwischen 75 und 100 Milliarden US-Dollar taxiert. Facebook mit seinen rund 2.000 Mitarbeitern wäre damit mehr wert als der Chemieriese BASF. Und der beschäftigt weltweit mehr als 100.000 Mitarbeiter. Das klingt absurd, anmaßend und weltfremd. Das ist es auch. Aber so ist es nun mal in der Finanzwelt, wenn solch ein Hipster-Laden wie Facebook die Investoren total scharf macht, und alle das ganz große Rad drehen wollen.
Der Börsengang wird auf jeden Fall einige wenige unglaublich reich machen. Allen voran Firmengründer Mark Zuckerberg. Ihm gehören noch 25 Prozent von Facebook. Nach dem Börsengang dürfte der 27-jährige um die 20, 25 Milliarden Euro schwer sein. Aber auch andere werden so richtig absahnen. Eine amerikanische Investmentfirma hatte Facebook im Jahr 2005 knapp 13 Millionen Dollar gegeben, als Startkapital, und wurde an Facebook beteiligt. Das hat sich gelohnt. Aus 13 Millionen wurden in gerade mal 7 Jahren mehrere Milliarden.
Wenn die Aktien dann in einigen Monaten an den Börsen gehandelt werden, werden sich auch die Kleinanleger auf sie stürzen. Und dann wetten alle mit ihrem Einsatz darauf, dass Facebook in Zukunft unglaublich viel Geld verdient. Diese Rechnung geht aber nur auf, wenn Facebook die persönlichen Daten seiner 800 Millionen Mitglieder schonungslos vermarktet. Das Tolle aus Sicht der künftigen Aktionäre: Facebook schert sich schon heute einen Dreck um den Datenschutz. Demnächst wird Facebook so eine Art Lebenschronik zur Pflicht machen. Dann steht irgendwann der gesamte Lebenslauf der Mitglieder online: vom Babyfoto bis zum Sargnagel. Aus den Daten lassen sich dann wunderbar ganze Dossiers über die Mitglieder anlegen. Und das ist im digitalen Zeitalter Gold wert. Wer Angst vor dieser totalen Transparenz hat, und nicht will, dass die düstere Vision eines George Orwells in seinem Roman „1984“ Wirklichkeit wird, der muss natürlich anders denken und handeln. Der sollte Facebook meiden, sich dort abmelden, und erst recht keine Aktien kaufen. Und er sollte sich wünschen, dass die Datenkrake Facebook irgendwann kollabiert, und der Aktienkurs abschmiert - auch wenn dann ganz viele Menschen, die aufs falsche Pferd gesetzt haben, sehr viel Geld verlieren.
Klaus Hempel
Letzte Änderung am: 02.02.2012, 08.30 Uhr