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SWR Meinung Milliardenverluste bei Opel

Bekenntnisse eines Opel-Fans. Von Klaus Hempel. SWR2 am Morgen, 17.02.2012

Ich war sieben Jahre alt, das war vor rund 40 Jahren, da kreuzte unsere Nachbarin plötzlich mit einem Opel GT auf. Das war damals so ‚ne Art Mini-Ferrari für Schmalhans Küchenmeister. Auf jeden Fall war ich zutiefst beeindruckt! Zumal unsere Nachbarin ein ziemlich scharfes Schnittchen war.

Etwa 20 Jahre später, noch tief in meiner Halbstarken-Zeit verwurzelt, war es endlich soweit: ein Opel Commodore, Baujahr 71, 6 Zylinder, 2,8 Liter-Maschine; für sagenhafte 600 D-Mark, weil der Unterboden schon ziemlich fertig war und auseinanderzubrechen drohte. Das war mir aber egal. Ich schraubte als Erstes die Stoßstangen weg. Und gemeinsam mit einem Freund habe ich die Kiste von vorne bis hinten mattschwarz gewalzt. So ‚ne richtig schöne „Böse-Jungs-Karre“, auf die ich mächtig stolz war.

Mit diesem Ungetüm hab ich manchmal meine Freundin von der Uni abgeholt. Genauer gesagt: von der juristischen Fakultät. Die Wichtigtuer sind mir unglaublich auf den Senkel gegangen. Um zu provozieren, hab ich das Fenster runtergekurbelt, die Anlage voll aufgedreht, und den linken Arm aus dem Fenster baumeln lassen- was meiner Freundin zwar unglaublich peinlich war, mir aber einen Heidenspaß bereitet hat. Diese Lackaffen! So war das damals mit meinem Opel. Opel, das war mal ein schicker Sportwagen für kleine Leute, oder Ford Mustang für so Möchtegern-Rocker wie mich, auf jeden Fall sehr cool.
Diese schöne Zeit, die ist leider längst vorbei. Spätestens in den 80ern war Opel überhaupt nicht mehr cool. Auf einmal hieß es: „Jeder Popel fährt ‚nen Opel.“ Opel stand für Spießerkarre. Wahrscheinlich hat sich der Autokonzern davon nie wieder erholt. Mein Ex-Kollege, netter Kerl, der fährt auch einen Opel. Was haben wir ihn aufgezogen deswegen! Opel fahren, das ist heutzutage eigentlich nur noch was für Masochisten. Ich weiß, das ist unfair, den Mitarbeitern von Opel gegenüber, und gegenüber jedem, der einen fährt. Aber so denken viele.

Das Schlimme für die Opelaner, die jetzt wieder zittern müssen und Angst haben, ihren Job zu verlieren ist: Opel mag zwar nicht mehr angesagt sein, aber baut sehr ordentliche Autos, die ihr Geld auch wert sind. Aber die Autos verkaufen sich einfach zu wenig. Schuld sind die Amis in der Konzernzentrale bei General Motors in Detroit. Die haben gesagt: Opel darf uns nicht in die Quere kommen. Deshalb darf Opel seine Autos nur in Europa verkaufen. Damit GM auf der restlichen Welt ordentlich Kohle scheffeln kann. Das Problem: Dem deutschen Autobauer fliegt gerade die Schuldenkrise in Europa um die Ohren. Im Moment bricht wegen der Krise vor allem in Südeuropa, auch in Frankreich, der Absatz von Autos komplett ein. So kann Opel gar keine Chance haben, völlig unabhängig vom Image.

Mich macht das traurig. Man stelle sich vor, Opel ist irgendwann weg vom Fenster. Aber vielleicht geschieht ja noch ein Wunder. Und Opel baut irgendwann wieder coole Autos, die sich bombig verkaufen. Ich träume jedenfalls noch heute von meinem Commodore, von "Harte-Jungs-Autos", und der unbeschwerten Zeit, als ich mich noch traute, den Arm aus dem Fenster hängen zu lassen...

Klaus Hempel

Letzte Änderung am: 17.02.2012, 13.34 Uhr

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Milliardenverluste bei Opel

Bekenntnisse eines Opel-Fans. Von Klaus Hempel. SWR2 am Morgen, 17.02.2012

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