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Die ZDF sucht den Wetten-Dass-Star
Kommentar von Michael Reufsteck im SWR2 Journal am Abend vom 16.02.2012
„Wetten dass“ war nie einfach eine Samstagabendshow. Es war DIE Samstagabendshow. Eine Sendung mit Sonderstellung. Eine Sendung, vor der jahrelang sogar die Konkurrenz kuschte, weil man sich ohnehin als chancenlos betrachtete. Diese Sonderstellung hatte „Wetten dass“ nicht immer. Zu Beginn, vor 30 Jahren, war sie eine unter vielen erfolgreichen Unterhaltungsshows. Die anderen sind nur inzwischen alle ausgestorben.
Deshalb ist es auch nicht schlimm, dass „Wetten dass“ diese Sonderstellung jetzt aufgibt. Denn Markus Lanz wird diesen Status kaum halten können.
Markus Lanz ist kein Thomas Gottschalk. Lanz kann zum Beispiel Interviews führen. Er weiß sogar, wie seine Gäste heißen. Das konnte man von Gottschalk nie erwarten, der unvorbereitet war, seine Gäste kaum zu Wort kommen ließ und sich nicht für die Kandidaten interessierte. Das alles wird sich jetzt ändern. Nach rein formalen, professionellen Gesichtspunkten wird Markus Lanz die Sendung wesentlich besser moderieren als Gottschalk. Das heißt aber nicht, dass es unterhaltsamer wird. Denn andererseits ist Lanz auch irgendwie egal.
Denn Gottschalk war immer auch ein Clown. Das musste Lanz nie sein.
So professionell er ist, so stromlinienförmig ist er auch. Weichgespült und glattgebügelt.
Hape Kerkeling hätte die Sonderstellung von „Wetten dass“ wahren können, Günther Jauch auch. Aber wenn man sich nach deren Absagen erst einmal mit dem Gedanken abgefunden hatte, Jörg Pilawa könne die Sendung übernehmen, ist es auch kaum noch ein Unterscheid, ob es jetzt stattdessen Beckmann, Kerner oder Lanz macht.
Die Bedeutung des Moderators wird überschätzt.
Zum Erfolg gemacht hat die Sendung Frank Elstner. Und der war noch nie lustig, locker oder schlagfertig. Auch die nachträgliche Wahrnehmung, mit Wolfgang Lippert sei „Wetten dass“ ein Flop gewesen, stimmt nicht. Lippert hatte mehr Zuschauer als Gottschalk in seinen letzten Jahren im Durchschnitt.
Daran und an den katastrophalen Quoten von Gottschalks aktueller Vorabendtalkshow zeigt sich: Die Menschen schalten nicht wegen Gottschalk ein, sondern vielleicht doch eher, weil sie einen riesigen Bagger sehen wollen, der ein filigranes Kunststück ausführt.
Die Sonderstellung wird verlorengehen. Aber selbst wenn die Show noch zwei oder drei Millionen Zuschauer verliert, was mittelfristig wahrscheinlich ist, macht das nichts. Ihr Vorsprung war so groß, dass „Wetten dass“ gemessen am Programmumfeld sogar dann noch ein Erfolg wäre.
Nach all den öffentlichen Absagen weiß Markus Lanz, dass er nur die fünfte Wahl ist. Hoher Erwartungsdruck sieht anders aus. Da ist also viel Luft nach oben, um sich zu beweisen und die Zuschauer zu überraschen. Aus Sicht des ZDF ist es ebenfalls keine falsche Entscheidung, die Show fortzusetzen, egal mit wem. Denn es immer einfacher, eine bekanntes Format zu halten, selbst mit neuer Besetzung, als stattdessen ein neues Format zu etablieren. Fragen Sie nur mal Thomas Gottschalk. Ist Markus Lanz der Richtige für Wetten dass? Mehrere Medien berichten, der 42-jährige, der beim ZDF u.a. die nach ihm benannte Talkshow „Markus Lanz“ moderiert, werde Nachfolger von Thomas Gottschalk. Bisher haben weder das ZDF noch Lanz das bestätigt.
Letzte Änderung am: 16.02.2012, 19.39 Uhr