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Von Peter Heilbrunner. SWR2 am Morgen, 09.02.2012
Jetzt also soll Plan B helfen. Nachdem Version A, die Rettung Griechenlands, ganz offensichtlich nicht funktioniert, findet Plan B immer mehr Anhänger. Nämlich die Griechen vor die Tür des Euro-Clubs zu setzen.
Leider, und das verschweigen die Befürworter eines Rauswurfs, gibt es dafür keinen Plan, denn niemand weiß, was wirklich passiert. Plan B, das klingt so, als habe man alles unter Kontrolle – doch die Wahrheit ist: Die Konsequenzen dieses ultimativen Schrittes sind völlig unkalkulierbar.
Zwar hat die Bundesbank bereits Entwarnung gegeben: Deutsche Kreditinstitute würde die Pleite des Mittelmeerlandes nicht aus der Bahn werfen, französische Banken dürften da schon mehr Schwierigkeiten haben. Dramatisch aber dürften die Folgen eines Rausschmisses für Griechenland selbst werden. Das Bankensystem würde zusammenbrechen, und schlimmer noch, die Menschen ihrer Ersparnisse beraubt. Doch um den Normalgriechen, um die Normalgriechin geht es in der Debatte längst nicht mehr – und genau das ist der Fehler.
Seit 5 Jahren hängt die griechische Wirtschaft durch, seit fünf Jahren steigt die Arbeitslosigkeit von Jahr zu Jahr, seit Jahren kennt der einstige Sehnsuchtsort deutscher Aussteiger nur noch eine Entwicklung: Bergab. Griechenland steckt in einer Abwärtsspirale.
So kann es nicht weitergehen, die Euro-Partner müssen endlich ihre Strategie ändern. Statt allein zu Sparen bis es quietscht muss es heißen: Hilfe zur Selbsthilfe.
Denn ein Teil der Wahrheit ist doch auch, dass es Griechenland aus eigener Kraft nicht schafft, Reformen auf den Weg zu bringen. Die Verwaltung ist ineffizient und korrupt, zudem halten die Parteien das Land nach wie vor im Würgegriff, Verlässlichkeit bei der Planung – Fehlanzeige. Und solange das so ist, wird niemals irgendein Unternehmer auch nur einen Euro in Griechenland investieren .
Europa muss deshalb mehr als 30 Reform-Experten nach Griechenland schicken – kein Sparkommissar ist nötig, sondern ein Verwaltungsreformer. 3500 EU-Leute schickt die EU ins Kosovo, um dem jungen Balkan-Staat beim Aufbau eines Rechtsstaates zu helfen – etwas weiter südlich dagegen soll das Know-How von 30 Beamten reichen, um das Land umzukrempeln. Zugegeben: Athen ist nicht Pristina und Griechenland schon gar nicht das Kosovo. Aber die Proportionen stimmen eben nicht.
Mich verwundert immer wieder, wie wenig die Menschen im Mittelpunkt der europäischen Rettungsbemühungen stehen. Zwar wird gebetsmühlenartig wiederholt, dass die Einschnitte schmerzhaft seien – doch ob die Strategie die richtige ist, diese Frage stellt sich niemand. Natürlich muss die griechische Politik aufhören, die Partner in Europa mit leeren Versprechungen hinzuhalten. Aber umgekehrt gilt auch: Ohne Wachstumsperspektive ist das ausgezehrte Land nicht zu retten. Frieden und Wohlstand – das war ein halbes Jahrhundert lang das zentrale Versprechen des Europäischen Einigungsprozesses. Die neue Botschaft vor allem im Süden lautet: Es geht bergab. Doch dafür braucht es Europa nicht.
Peter Heilbrunner
Letzte Änderung am: 09.02.2012, 15.55 Uhr