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SWR2 Meinung 5.9.2012 Überwachung total

Hans Gerzlich über Kühlschränke mit eingebauter Kamera und andere Seltsamkeiten bei der IFA

Haben Sie sich auch schon immer gefragt, wer eigentlich das Licht im Kühlschrank ausmacht? Oder ob es nicht vielleicht doch heimlich die ganze Nacht durchbrennt? Da brauchen Sie jetzt keine Angst vor zu haben, denn unsere Haushaltsgeräte werden jetzt schlau.

Smartphones kennen Sie ja schon. Ab sofort kommen auch noch Smart-Waschmaschinen, Smart-Kühlschränke und Smart-Fernseher dazu - wie die gerade endende IFA gezeigt hat. IFA, genau, formerly known as 'Internationale Funkausstellung'. Da dort ab sofort auch die neuesten Ingenieurshirnleistungen aus der Haushaltswarenbranche vorgeführt werden, einfach nur noch IFA. Nicht zu verwechseln mit der FIFA - die IFA ist ihrer Zeit immer technisch voraus, die letzte technische Neuerung, die die FIFA zugelassen hat, war die Einführung der gelben und roten Karten 1970.

Ein Highlight der diesjährigen IFA: Ein Kühlschrank mit eingebauter Kamera. Ob noch genug Wurst für morgen früh da ist, oder ob Sie noch an der Tanke halten müssen, um zwei kalte Pullen Bier zu holen, können Sie also von unterwegs per iPhone nachgucken.
Doof nur, wenn der Kühlschrank nicht dran geht - weil er eingeschnappt ist - weil Sie ihn morgens nicht freundlich genug begrüßt haben. Na ja, ich würd den sowieso nicht kaufen. Da warte ich lieber noch ein Jahr, dann kommt bestimmt einer auf den Markt, der ruft mir schon beim Verlassen der Wohnung hinterher: "Vergiss nicht, den Müll mit runter zu nehmen und bring heute Abend Brot mit!"

Und alles wird WLAN-fähig. Alles! Der Fernseher ist es sowieso schon, die Digitalkamera... Zahnbürste, Toaster, Staubsauger, Fön, Kaffeemaschine - alles WLAN-fähig. Damit Sie auch beim Staubsaugen schon direkt die neuesten Updates runterladen, beim Haaretrocknen die neueste Sicherheitslücke schließen und beim Kaffeekochen Aktienkurse checken und Ihre Statusmeldungen auf dem Facebookprofil erneuern können: "Mache mir jetzt einen Kaffee. Hm, lecker" - zehn Leuten gefällt das.

Und während der rigide Sparkurs von Bundeskanzlerin Merkel sowohl international als auch von der SPD heftig kritisiert wird, haben die Aussteller der diesjährigen IFA diesen voll verinnerlicht: So ist in Berlin ein Kühlschrank zu bestaunen, der mit 140 Kilowattstunden im Jahr weniger verbraucht als eine Energiesparlampe. Wie das gehen soll? Keine Ahnung! Wahrscheinlich ist kein Licht drin und die Kühltemperatur kann nur auf eine Stufe eingestellt werden: Zimmertemperatur.

Für heiße Rhythmen sorgten am Wochenende Xavier Naidoo und Helge Schneider mit ihren Auftritten im IFA-Sommergarten.
'Dieser Weg wird kein leichter sein' - was ich mir angesichts des Gedränges und Geschiebes in den Messehallen durchaus vorstellen kann. Hauptsache, das 'Katzeklo' wird endlich WLAN-fähig!