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SWR2 Meinung 31.7.2012 Nur Krebszellen und Ökonomen setzen noch auf Wachstum

Hans Gerzlich, Wirtschaftskabarettist, zum Ende des Occupy-Camps in Frankfurt

Occupy-Demo in Frankfurt

Occupy-Demo in Frankfurt

Zitat: "Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das Allgemeinwohl sorgen werden." Zitat Ende. Und dieses flockige Sprüchlein stammt nicht aus dem Mund von Sarah Wagenknecht, sondern vom wohl bekanntesten und einflußreichsten Ökonom des letzten Jahrhunderts: John Maynard Keynes.

So gesehen war Keynes ein früher Vordenker der Occupy-Bewegung, die ja vor allem zwei Dinge sagt: 1. "Wir wissen zwar nicht, wie es weitergehen könnte", 2. "Aber auf keinen Fall so wie bisher!" Bisher, das heißt vor allem: Wachstum, Wachstum, Wachstum! Politik und Wirtschaft verharren nämlich seit Jahrzehnten in einer Wachstumsgläubigkeit, die den Papst in seiner Gottergebenheit als zweifelnden Skeptiker erscheinen lassen. Aber wofür brauchen wir denn ewiges Wachstum?

Damit alles so bleibt wie es ist! Äh... was? Ja, genau! Denn: Egal, ob Sie einen Fernseher beim Saturn, ein Waschmittel von Henkel oder eine Kopfschmerztablette von Bayer kaufen: In allem, was wir essen, benutzen und verbrauchen stecken Zinsen drin. Nämlich die, die das Unternehmen an seine Kapitalgeber zahlen muss. Für Bankkredite, Lieferantenkredite... zahlen Sie alles mit! Sogar das Unternehmen "Bundesregierung" zahlt jedes Jahr 40 Milliarden Euro Zinsen auf die Staatsverschuldung. Und Zinseszinsen! Und die müssen erstmal bezahlt werden, bevor der Rest verteilt werden kann. Die Merkel kann nicht sagen: "So, wir erhöhen erstmal den Hartz IV-Satz, dann investieren wir Infrastruktur, das Gesundheitswesen und pumpen ordentlich was in die Bildung.

Tja, für Zinsen bleibt da nix übrig. Pöh!" Andersherum wird ein Schuh draus! Wächst die Wirtschaft langsamer als der Zinseszins, bedeutet das... Schrumpfung, Irre, oder? Und: Ungehemmtes Wachstum ist nicht immer toll - da können Sie jeden Dinosaurier fragen. Nur zwei Arten, zwei Spezies setzen immer noch auf Wachstum ohne Sinn und Verstand: Die Krebszelle und der Ökonom. Wobei der Ökonom noch in der Bibel nachlesen könnte - Stichwort 'Turmbau zu Babel' - wohin Wachstum ohne Ende führen kann. Was n eindeutiger Vorteil gegenüber der Krebszelle… sein sollte - muss man ja sagen.

Gucken Sie mal: So n Apfel, der ist dumm. Aber wenn der reif ist, dann fällt der runter. Der klammert sich nicht an den Ast und will weiterwachsen auf Teufel komm raus. Der sagt sich: "So, ich schmeck jetzt am besten, nicht zu süß, nicht zu sauer... hab die optimale Größe, dass ich - in Viertelchen geschnitten - genau in die Butterbrotdose passt…Genau wie wir: Bei unserer Geburt sind wir genau richtig. Nicht zu klein, sonst haben wir keine Überlebenschance, nicht zu groß, sonst wird s eng an den Schläfen. Das funktioniert aber nur bis wir denken lernen… und diese fötale Weisheit über Bord schmeißen, riesige genmanipulierte Äpfel züchten, möglicherweise Wirtschaft studieren um dann feststellen: In beidem steckt der Wurm.

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