Eine SWR2-Sendereihe widmet sich den heilenden Kräften der Musik
"Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem, die Heilung eine musikalische Auflösung", davon war vor mehr als 200 Jahren der Dichter Novalis überzeugt, und moderne Musiktherapeuten können diese Feststellung nur bestätigen.
Es gibt nahezu keinen Bereich im Lebenskreis des Menschen, auf den die Musiktherapie nicht heilbringend wirken könnte. Zudem hat man erkannt, dass die High-Tech-Medizin allein keinen Zugang zur Persönlichkeit des Menschen und damit zu einer seiner wichtigsten Ressourcen, der individuellen Selbstheilungskraft, ermöglicht.
Ob Krebs- oder Koma-Patienten, Alzheimer- oder Demenzkranke, ob lernbehindert, schwer erziehbar, drogenabhängig, verspannt, vom Tinnitus geplagt, in Depressionen gefangen oder einfach nur hoch betagt – der Mensch profitiert von der Macht der Klänge, weit über den kulturell-ästhetischen Aspekt des Konzertgängers und Musikliebhabers hinaus, auf körperlicher wie mental-emotionaler Ebene. Der medizinische Einsatz von Klängen ist bei den Krankenkassen längst als Heilmethode anerkannt. Doch hinter diesem scheinbaren Pragmatismus steckt auch der Glaube an die magische Kraft der Töne, an eine der Musik innewohnende transzendentale Macht.
"Music is the healing force of the universe", meinte 1969 auch der Jazzer Albert Ayler und trifft damit ins Herz der vierteiligen Sendereihe "Musik und Heilung", die vier Tage lang, vom 15. bis 18. Dezember 2008, im Rahmen des SWR2-Programmschwerpunkts "Die Macht der Musik" zu hören ist. Denn schließlich gehören Musik und Kult, Klang und Heilung in der Menschheitsgeschichte seit jeher zusammen.
Die Rockmusik hatte ihre "kosmischen Kuriere", der Jazz seine eigenen Weltraum- und Schöpfungsmythen. Sun Ra, Pharoah Sanders oder Lonnie Liston Smith gehören zu denjenigen, die ihre Musikspektakel mit tiefer Inbrunst inszenierten. Aber auch beim Singen im ganz normalen Alltag kann jeder die wohltuende Wirkung des Singens an Leib und Seele erfahren. Diese Wirkung ist längst medizinisch erwiesen und wissenschaftlich gesichert: Die seelische und körperliche Balance wird gestärkt, die sprachliche Ausdrucksfähigkeit verbessert, die soziale Kompetenz erhöht. Engagierte Musikpädagogen haben nun neue Methoden entwickelt, um das Singen wieder populär zu machen – auf dass eine vergessene Kunst ihre Renaissance erfahre. Merke also: "One song a day keeps the doctor away".
Letzte Änderung am: 12.11.2008, 16.19 Uhr
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