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Musik als Mittel zum Transportieren von Überzeugungen, Lebensgefühl und Protest
Die Geschichte der Musik ist zugleich eine Geschichte der Politik. Musik ist offenbar ein besonders geeignetes Mittel zum Transportieren von Überzeugungen, Lebensgefühl, Protest und darüber hinaus ein Mittel zur harmonisierenden Anpassung.

Bundeswehr-Zapfenstreich
Eine zunehmend politische, wenn nicht kämpferische Bedeutung kam der Musik mit dem Beginn der Neuzeit, seit den Bauernkriegen, zu. Es war die Marseillaise, die die Ideen der französischen Revolution besonders beflügelte. Die demokratischen Bewegungen des Vormärz und der 1848er Revolution in Deutschland sind kaum vorstellbar ohne Freiheitslieder.
Aber auch die Marschmusik des Militärs und die Lieder der Arbeiterschaft hatten Mobilmachungscharakter. Nazismus und Faschismus, mehr noch als die kommunistischen Regime, verliehen ihren Aufmärschen und Veranstaltungen die geeignete Propagandawirkung durch Musik. Andererseits wurden Komponisten aus rassistischen, politischen und ästhetischen Gründen verfolgt: "entartete Musik" oder "kulturbolschewistisch" hieß das bei den Nazis, "formalistisch" bei Stalin.
Als vor vierzig Jahren die Uraufführung von Hans Werner Henzes "Das Floß der Medusa" platzte, weil Westberliner Sänger sich weigerten, unter dem Bild Che Guevaras zu singen, rauschte es im Blätterwald der Feuilletons – das hatte die bürgerliche Hochkultur in Nachkriegsdeutschland noch nicht erlebt! Vertrauter war der gesellschaftlichen Öffentlichkeit das Kräftemessen Jugendlicher mit der Elterngeneration. Wenn sich jugendliche Rock’n Roller in der jungen Bundesrepublik der 50er Jahre Schlägereien mit den Ordnungshütern geliefert hatten, war das im allgemeinen Bewusstsein einfach Krawall gewesen. Entstanden aber war in Wirklichkeit aber etwas Neues: die Jugendkultur. Und die Musik brachte das Wesentliche zum Ausdruck – ein Lebensgefühl. Die Popkultur war geboren.
Seither erscheint Popmusik doppelgesichtig: In ihren radikalen Ausformungen transportiert gerade diese Musik Protest gegen die Gesellschaft, andererseits ist sie Ausdruck braver Angepasstheit. Das hat sich bis zum heutigen Tag nicht geändert. Geändert jedoch hat sich eines: War früher der Protest in der Tradition des Blues und des Jazz Ausdrucksmittel der Unterdrückten gegen Ausbeutung und gegen die Herrschenden, gibt es seit einigen Jahrzehnten auch Protest von rechts – Musik, die dezidiert frauenfeindlich, sexistisch, rassistisch und faschistisch ist. Am Klang allein ist sie dabei gar nicht unbedingt von anderer Musik zu unterscheiden. Musik und Politik – das ist ein Dauerthema. Im "SWR2 extra: Die Macht der Musik" wird es von verschiedenen Seiten beleuchtet.
Letzte Änderung am: 12.11.2008, 16.33 Uhr