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30.10.07 Dienstag
Wir sind in der Verbotenen Stadt. Wir bestaunen die weitläufige Palastanlage mit ihrer architektonischen Dramaturgie von größeren und kleineren Repräsentationsbauten. Wer vom Süden nach Norden durch das Terrain schreitet, erlebt die Hallen als überdimensionale Kulissen. Ein Gebäude rahmt das nächste, es gibt atemberaubende Durchblicke.
Zurzeit wird freilich auch viel restauriert, ein Teil der Anlage ist eingerüstet, auch die Verbotene Stadt putzt sich für die Olympiade heraus. Wir nehmen zur Kenntnis, dass dieser Ort eine gut gepflasterte Steinwüste ist mit einem relativ kleinen, formal festgefassten Gärtchen am nördlichen Ende. Im Anschluss durchwandern wir im weiten Bogen die Stadt und landen in einer hochgezüchteten Einkaufsmeile, in der Wangfujing, wo der Kapitalismus und dessen Verführungen erbarmungslos zuschlagen. Der neue chinesische Mittelstand repräsentiert sich hier mit Lust, wir aus dem alten Europa sind fast ein wenig eingeschüchtert.
Wir reisen zurück, haben wenig gesehen aber viele, neue Erfahrungen gemacht. Wir bekommen sieben Stunden (die Zeitumstellung in Deutschland haben wir fast nicht bemerkt) geschenkt. Wir haben womöglich wenig gesehen aber viel erlebt.
Reinhard Ermen
Letzte Änderung am: 17.12.2007, 18.26 Uhr