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Heute erfahren wir, dass wir aus dem Namen eines Gerichts oft nicht schließen können, um was für eine Speise es sich handelt. Daher gibt es ein paar Tipps, was wir in einem chinesischen Restaurant bestellen können.
Jürgen Hoeren (H): Nimen hao. In meinem Pekinger Hotel bekäme ich ja sicher eine zweisprachige Speisekarte. Wenn ich mich nun aber mal anderswo umsehen will, Chinesen beim Essen unter sich erleben will...
Mu Gu (G): Dann bekommen Sie oft mit der Speisekarte ein Problem, weil diese in Hanzi, in Schriftzeichen geschrieben ist...
Wolfgang Baus (B): Und das Problem wäre auch nicht einmal gelöst, wenn Sie die Zeichen lesen könnten. Viele Gerichte tragen Namen, die Ihnen nichts sagen oder Sie auf eine falsche Fährte setzen. Es geht Ihnen dann wie einem Chinesen, der in Deutschland auf der Karte des Bistro einen "Strammen Max" findet. Und wollte ich Ihnen ein einfaches, überall erhältliches Gericht der Sichuan-Küche empfehlen...
H: Sichuan-Küche?
G: Sie können sich denken, dass es eigentlich so etwas wie d i e chinesische Küche nicht gibt. So wie Sie hier die schwäbische Küche haben und die bayerische, so haben auch wir mehrere Küchen, die alle ihre ausgeprägten Eigenarten haben. Etwa die kantonesische Küche, mild und mit viel Fisch, zu der z. B. auch die bei vielen Touristen so beliebten dimsum bzw. dianxin gehören, oder eben die scharfe, manchen Deutschen zu scharfe Sichuan-Küche...
B:...zu der das Gericht gehört, das ich Ihnen gerade empfehlen wollte: Mayi shangshu, wörtlich: Ameisen klettern auf einen Baum...
H: Ameisen?!
B: Ich wollte ja zeigen, dass Sie aus dem Namen oft nichts schließen können. Mayi shang shu ist weder was Raffiniertes noch was Exotisches. Nicht die Rede davon, dass Sie nun Ameisen essen. Nur wenn Sie durch Pekings Straßen laufen und was essen wollen, dann wollen Sie doch nicht aus Verlegenheit bei McDonald`s oder Kentucky Fried Chicken landen, sondern wissen, was Sie in einem einfachen chinesischen Restaurant bestellen könnten, beispielweise diese Hausmannskost aus gebratenen Glasnudeln, dazu dann Sojasauce mit Chili und winzigen Hackbröckchen. Und diese Bröckchen, die da in den Nudeln herumwimmeln, haben jemanden mit viel Phantasie an Ameisen erinnert und diesen Namen erfinden lassen. Macht sich ja nicht schlecht, wenn Sie dann auf der Ansichtskarte aus Peking erwähnen, Sie hätten „Ameisen klettern auf einen Baum“ gegessen.
G: Oder Sie bestellen ein Standardgericht, überall zu bekommen, aber auch etwas scharf: gong bao ji ding, gewürfeltes Huhn nach Palastart, Hähnchenwürfel, mit Chili und Erdnüssen gebraten.
B: oder, gerade in Peking: Jiaozi.
G: Ich kenne niemanden, ob Ausländer oder Chinesen, der nicht gern Jiaozi isst, diese chinesischen Ravioli, Teigtaschen aus Weizenmehl mit einer Füllung aus Fleisch oder Gemüse...
B: ...und am leckersten, wenn sie, nachdem sie im Wasserbad waren, noch mal gebraten werden: Guotie, wörtlich: am Topfboden klebend...
G: Aber da lassen Sie sich am besten mal von einem chinesischen Freund oder Bekannten in ein auf Jiaozi spezialisiertes Restaurant ausführen und probieren dann die ganze Palette der Füllungen durch.
Letzte Änderung am: 17.09.2007, 13.47 Uhr