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Noch einmal gehen wir auf die chinesischen Schriftzeichen ein. Wir erfahren, dass wir über sie auch Zugang zu Texten und Gedichten haben, die über 1000 Jahre alt sind.
Jürgen Hoeren (H): Nimen hao, noch einmal zu den chinesischen Schriftzeichen.
Wolfgang Baus (B): Die chinesischen Schriftzeichen funktionieren wie die arabischen Zahlen: Obgleich in verschiedenen Regionen unterschiedlich ausgesprochen, bedeuten sie überall dasselbe. So haben auch die Hanzi, die chinesischen Schriftzeichen, überall in China - und darüber hinaus noch für Japaner und gebildete Koreaner - dieselbe Bedeutung, obwohl sie unterschiedlich ausgesprochen werden.
Ein letztes Mal zu den Zahlzeichen: Mathematiker verschiedener Nationen, die jeweils die Sprache des anderen nicht verstehen, können doch ohne weiteres miteinander schriftlich kommunizieren, solange sie nur Zahlen austauschen. So können Chinesen aus allen Regionen ohne Mühe miteinander kommunizieren, solange sich diese Kommunikation mit Hilfe der Schriftzeichen vollzieht.
H: Ein und dasselbe chinesische Gedicht würde von allen Chinesen identisch geschrieben und je nach Dialekt unterschiedlich rezitiert?
B: Ich glaube nicht, dass man übertreibt, wenn man behauptet, dass es die chinesische Schrift ist, die ganz wesentlich dazu beigetragen hat, dass dieses ungeheuer große chinesische Reich über die Jahrtausende nicht auseinandergebrochen ist.
Mu Gu (G): Eine Ergänzung scheint mir wichtig: Diese Schrift ermöglicht nicht nur Chinesen von überall, miteinander zu kommunizieren, sondern ermöglicht ihnen auch den Zugang zu Texten die über 1000 Jahre alt sind. Und weil eben das Stichwort „Gedichte“ fiel: Unsere populärsten Gedichte stammen noch aus der Tang-Zeit, das heißt aus der Zeit etwa zwischen 600 und 900. Wir lesen die, wir verstehen sie, wir lieben sie und lernen sie auswendig, aber wir wissen, dass sie zur Zeit, als sie geschrieben wurden, ganz anders klangen.
H: Ich verstehe: In einer Lautschrift wie der unseren können wir unsere alten Texte nicht mehr verstehen. Uns bleibt dann nichts übrig, als unseren Walter von der Vogelweide in einer Übersetzung zu lesen, mit allen Verlusten, die damit einhergehen müssen. Chinesen hätten also über ihre Schrift, wenn ich Frau Gu eben richtig verstanden habe, einen viel direkteren Zugang zu ihrem kulturellen Erbe?
G: Dui. Genau das hatte ich sagen wollen.
H: Gu laoshi, könnten Sie uns spontan ein Gedicht aus der Tang Zeit zitieren? Dieses Gedicht und seine Übersetzung finden sie hier:
Letzte Änderung am: 17.09.2007, 13.47 Uhr