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Heute geht es noch einmal um Tee. Wir lernen, warum Jasmintee bei Südchinesen nicht beliebt ist und erfahren von der Besonderheit des dritten Aufgusses.
Jürgen Hoeren (H): Ni hao, Gu laoshi, ich möchte nochmals das Thema Tee aufgreifen. Denn den bei uns so populären Jasmintee haben Sie gar nicht erwähnt.
Mu Gu (G): (lacht) Jasmintee/ molihuacha oder einfach Blütentee/ huacha ist eher bei uns Nordchinesen populär, und für Südchinesen ist das ein Indiz, dass Nordchinesen vom Tee nicht viel verstehen.
H: Wieso das?
G: Das Aroma der Blüten legt sich über das des Tees, etwa wie bei Ihnen hier bei parfümierten Tees, die ja auch kein Kenner schätzt. Deshalb macht man aus guten Tees keinen Jasmintee.
Im übrigen ist Tee - anders als Kaffee - ein Getränk, bei dem wir Chinesen an Muße denken. Ein Getränk, bei dem man plaudert wie in England oder wie bei Ihnen zum Wein. Wir Chinesen gießen den Tee mehrmals auf. Bei vielen Sorten gilt der dritte Aufguss als der Beste.
H: Heißt das auch, dass das Teetrinken ähnlich zelebriert wird wie in Japan?
Wolfgang Baus (B): Auch in Japan ist die ritualisierte Art der Teezubereitung im Alltag nicht üblich, und bei weitem nicht jeder Japaner versteht sich darauf. In China ist so ein Ritual einigen wenigen Kennern vertraut, und Sie können es in manchen Teehäusern studieren. Im Bewusstsein des durchschnittlichen Teetrinkers spielt es aber keine Rolle.
G: Immerhin wurde im 8. Jahrhundert von Lu Yu mit dem Tee-Klassiker/ chajing eine Art Fibel für Teekenner geschrieben. Die Sitte des Teetrinkens verbreitete sich ja erst zu dieser Zeit, während der Tang-Dynastie, von Süden nach Norden aus.
H: Und wie wird heute normalerweise Tee zubereitet? Etwa auch schon mit Teebeuteln?
B: In Ihrem Hotelzimmer finden Sie neben einer Thermoskanne auch Teebeutel. (cha dai) Doch, das hat sich auch in China durchgesetzt. Ob auch für diesen eingesperrten Tee gilt, dass der dritte Aufguss besonders schmackhaft ist, weiß ich aber nicht.
M & H: Zai jian!
Letzte Änderung am: 17.09.2007, 13.47 Uhr