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Mama, Hanf, Pferd, fluchen - so unterschiedlich können die Bedeutungen eines einzigen chinesischen Wortes in den verschiedenen Tönen sein. Sind da Missverständnisse nicht gleich vorprogrammiert?
Jürgen Hoeren (H): In der letzten Folge hatte Frau Gu uns am Beispiel der Silbe ma die vier Töne/Tonverläufe im Hochchinesischen demonstriert.
Wolfgang Baus (B): Ja. Und beschreiben wir einmal, was die Töne jeweils kennzeichnet.
Ma im 1.Ton: Die Stimme bleibt auf einer Höhe, ich halte den Ton: Ma. Übrigens ist das das erste Wort, das ein chinesisches Kind spricht, als Kurzform für Mama, womit auch in China Mutter gemeint ist.
B: Ma im 2.Ton, dem steigenden Ton, erinnert an unsere Frageintonation, also wie in wás, hat dabei aber im Chinesischen mit Fragen nichts zu tun. Má heißt z.B. Hanf oder auch das taube Gefühl in Gliedmaßen.
Ma im 3. Ton, dem fallend-steigenden Ton heißt unter anderem Pferd. Als Eselsbrücke kann man an das Wort Mähre denken. Es ist als solches einer der häufigen chinesischen Familiennamen.
Während Mà im 4. Ton, dem fallenden Ton, unter anderem fluchen oder schimpfen bedeutet.
Mu Gu (G): Es gibt hier doch diesen wunderbaren Zungenbrecher aus lauter mas:
Ma mama qi ma, ma man, Ma mama ma ma.
B: Das ist ähnlich wie unser "Fischers Fritz" und heißt auf deutsch: Mutter/mama Ma/Familienname reitet/ qi ein Pferd/ ma. Das Pferd/ ma ist langsam/man. Mutter/Mama Ma/ Familienname schimpft/ ma auf das Pferd/ ma
H: So putzig das klingt, klingt es doch nicht eben ermutigend. Wenn die Bedeutungen so weit auseinander liegen, läuft man doch immerzu Gefahr, Missverständnisse zu provozieren.
B: Weniger als man vermuten sollte, weil der Kontext oft hilft. Stellen Sie sich vor: Sie gehen zum Bäcker und hätten gern Sesambrötchen
G: Shao(1)bing
B: sagen aber statt shao (1.Ton)
G: Shao(4)bing
B: Das shao also im 4.Ton, dann wird aus dem Sesambrötchen zwar ein Wachsoldat, aber der Bäcker wird, vielleicht schmunzelnd, keinen Moment zögern, Ihnen Sesambrötchen zu geben. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass falsche Töne bewirken können, dass man falsch oder gar nicht verstanden wird. Ich werde Ihnen míngtian, also morgen, dafür ein schönes Beispiel geben, das mir ein ehemaliger Schüler aus Peking gemeldet hat. Also: Bis morgen!
G & B: Míngtian jian!
Letzte Änderung am: 17.09.2007, 13.47 Uhr