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In der ersten Folge unseres Sprachkurses erfahren wir, warum es selbst für einen Olympiatouristen sinnvoll ist, sich mit ein paar Chinesisch-Kenntnissen auf seine Reise vorzubereiten. Außerdem lernen wir, was es mit den verschiedenen Tonverläufen im Chinesischen auf sich hat.
Wolfgang Baus (B): Lernen, lernen, nochmals lernen
Mu Gu (G): Xue xi, xue xi, zai xue xi
Jürgen Hoeren (H): Chinesisch für Anfänger
G: Han yu ru men
H: Herr Baus, warum könnte es selbst für einen Olympiatouristen sinnvoll sein, sich mit ein paar Chinesisch-Kenntnissen auf seine Reise vorzubereiten? Käme man nicht auch mit Englisch gut zurecht?
B: Nicht einmal in Chinas Metropolen dürfen Sie davon ausgehen, außerhalb der großen Hotels mit einiger Sicherheit Menschen zu treffen, die Ihnen auf Englisch weiterhelfen können. Wenn Sie losgelöst von Ihrer Reisegruppe auf eigene Faust die Stadt erkunden wollen, brauchen Sie ein paar Sprachkenntnisse, wenigstens einige Brocken.
H: Ein paar Brocken genügen?
B: Dabei scheint mir dieser praktische Grund nicht einmal das wichtigste Argument. Es haben ja viele Rucksacktouristen ohne jedes Chinesisch ihren Weg durch China gefunden. Wichtiger scheint mir, dass Sie wenn Sie sich nur ein bisschen um die Sprache bemühen, sofort ganz anders auf die Leute wirken. Und ist es nicht sympathischer, sich ihnen, wie unbeholfen auch immer, zunächst einmal in der Landessprache, ihrer Sprache, zu nähern, anstatt mit dem Englischen wie mit einer Forderung an sie heranzutreten?
H: Und Sie meinen wirklich, dass wir in der kurzen Zeit, die wir in SWR2 zur Verfügung haben, ein Chinesisch vermitteln können, das dann auch verstanden wird?
B: Warum nicht? Chinesisch ist von der Struktur her verblüffend simpel.
H: Und wie erklärt es sich dann, dass Chinesisch den Ruf hat, ungeheuer schwierig zu sein?
B: Nun, da kommt manches zusammen. Überlegen Sie mal, woran der Normalbürger denkt, wenn er "Chinesisch" hört! Zwei Dinge spielen nach meiner Erfahrung immer mit: zum einen die vielen Zeichen, die man nun aber nicht kennen muss, um reden zu können, zum anderen das Gerücht, dass das Chinesische Töne habe....
H: Wieso "Gerücht"? Die hat es doch.
B: Sicher. Nur verbindet sich damit für viele Menschen die Vorstellung, man müsse quasi singen können. Immer wieder dieses Klischee, Chinesisch sei ein Singsang.
H: Also Töne und kein Gesang?
B: Durchaus. Wer einen chinesischen Text lesen will, braucht nicht quasi vom Blatt zu singen. Man sollte statt von Tönen vielleicht besser von Tonverläufen sprechen. So was haben wir im Deutschen ja auch, ich kann doch sagen wás oder wàs, im ersten Fall eine Nachfrage, im zweiten bringe ich mein Erstaunen zum Ausdruck. Allerdings bleibt im Deutschen die Bedeutung des Wortes unberührt von der Intonation, in der ich es ausspreche.
H: Und im Chinesischen?
B: Dort läuft eine unterschiedliche Intonation derselben Silbe oder Silbenkombination auf eine unterschiedliche Bedeutung hinaus.
H: Sie sprachen von verschiedenen Tonverläufen. Wie viele gibt es, Frau Gu?
M: Im Hochchinesischen vier.
H:. Und wie muss ich mir die denken? Wie hört sich das an?
B: Vielleicht bekommen Sie eine erste Ahnung von den Tönen, wenn wir mal hören, wie eine Verabschiedung auf Chinesisch klingt:
Die setzt sich nämlich - wie im Deutschen - aus den Worten "wieder = zài" und "sehen = jiàn" zusammen, also: Zai jian!
G: Zai jian!
B: Oder: für "bis morgen" sagen die Chinesen: mingtian jian.
G: Mingtian jian. Dabei heißt "morgen" míngtian, und „jiàn“ haben wir eben schon als „sehen“ gehört. Für "bis morgen" sagt man also "morgen sehen": mingtian jian!
Das Gespräch führten:
B: Prof. em. Dr. Wolfgang Baus, Sinologe an der Universität Bochum
G: Dr. Mu Gu, Deutschlehrerin an der Hochschule für Fremdsprachen in Peking
H: Jürgen Hören, Abteilungsleiter SWR2 Kultur Aktuell
Letzte Änderung am: 17.09.2007, 13.47 Uhr