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Pfingstfestspiele Baden-Baden im ARD Radiofestival  Rolando Villazón inszenierte den Liebestrank

Bei den Pfingstfestspielen in Baden-Baden führte Villazón nicht nur Regie, sondern singt auch die Hauptrolle.

Dass Opernsänger auch Opern inszenieren, kommt vor, ist aber selten. Das jüngste Beispiel ist kein geringerer als Rolando Villazón: Er hat 2006 seine erste Oper inszeniert, den Werther von Massenet an der Oper in Lyon. Für das Festspielhaus in Baden-Baden inszenierte er Pfingsten 2012 den Liebestrank von Gaetano Donizetti. Zum ersten Mal hat er hier nicht nur Regie geführt, sondern auch eine Hauptrolle gesungen, den Nemorino. Kurz vor der Aufführung besuchte SWR2 Musikredakteurin Wibke Gerking die Proben im Festspielhaus und unterhielt sich mit Rolando Villazón über seine Inszenierung.

Rolando Villazón und sein Assistent arbeiten mit Miah Persson (Adina) an der Oper „Der Liebestrank“

Rolando Villazón mit Mia Persson (Adina)

Eines ist klar bei diesem Regisseur: Was auf der Bühne passiert, hat der Musik zu dienen, nicht umgekehrt. Seine Regiearbeit soll sänger- und musikfreundlich sein, sagt Rolando Villazón. "Wir möchten, dass das, was wir auf der Bühne sehen, das unterstreicht, was die Musik schon erzählt."

Rolando Villazón kennt jede Note von Donizettis Liebestrank – Nemorino ist eine seiner Paraderollen. Das klare Bekenntnis zum Vorrang der Musik bedeutet für ihn aber keine Absage ans Regietheater, im Gegenteil. Im Liebstrank geht es um den italienischen Bauernjungen Nemorino, der versucht, mithilfe eines Liebestranks ein reiches Mädchen zu erobern. Für die Baden-Badener Inszenierung will Villazón diese Handlung in ein Filmset versetzen: Die Sänger spielen in einem amerikanischen Western, und sie bewegen sich zwischen echter und Kulissenwelt hin und her. Eines weiß Villazón aus eigener Erfahrung: Das Wichtigste ist, dass ein Regisseur klare Vorstellungen hat: "Jemand, der die Musik und die Richtung des Stücks kennt und weiß, was passiert vom Anfang bis zum Ende - egal wie verrückt es ist - das ist es, was wir als Sänger haben mchten."

Der Gedanke, einmal selbst Regie zu führen, kam Rolando Villazón zuerst gar nicht selbst, wie er sagt: Der Regisseur Richard Jones hat ihn vor zehn Jahren mal darauf gestoßen, weil der fand, Villazón habe so gute Ideen. Richtig gefunkt hat es aber erst später, als Rolando Villazón zum ersten Mal den Werther von Massenet sang: er versuchte, eine logische Antwort auf die Frage zu finden, warum Werther eigentlich noch 30 Minuten lang weitersingt, obwohl er sich doch schon längst erschossen hat. Er fand sie: Werther erschießt nur das Kind in sich, so Villazóns These – und der Lyoner Opernchef fand das interessant genug, um Villazón zu engagieren. In Baden-Baden dagegen war Villazón zunächst nur als Sänger verpflichtet – und nahm dann die Regie gleich mit dazu. Den Druck, nun etwas ganz Unerhörtes, Neues zu bringen, fühlt er nicht:

"Es wäre ein Fehler, wenn das mein Ziel wäre. Ich muss den "Liebestrank" mit meinen Ideen inszenieren, und diese Ideen müssen klar für das Publikum sein. Die Komödie muss perfekt sein, die Poesie muss so berührend sein, dass die Tränen kommen. Und am Ende gehen wir raus aus der Oper und sagen, 'Meine Güte, Oper ist so eine wunderbare Kunstform! Es war so gut, heute hier zu sei'. Wenn das passiert: Halleluja!"

Wibke Gerking

Im Programm

ARD Radiofestival. Oper Pfingstfestspiele Baden-Baden Rolando Villazón im Baden-Badener Festspielhaus bei den Proben zur Oper L’Elisir d’Amore (Der Liebestrank)


Letzte Änderung am: 11.07.2012, 10.29 Uhr