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Musikstück der Woche vom 18.7. bis 24.7.2011 Poesie pur? Poesie gemischt!

Eingebunden in Hugo Wolfs Musik schimmert das Bizarre, Geheimnisvolle und Idyllische aus Eduard Mörikes Gedichten noch vielschichtiger und vielfarbiger hervor.

Michael Nagy und Juliane Ruf gaben am 18.3.2010 im Kammermusiksaal des Bruchsaler Schlosses einen Liederabend, bei dem sie auch diese spätromantischen Vertonungen romantisch-brüchiger Verse aufführten.

Komponist Hugo Wolf


Hugo Wolf: Lieder nach Texten von Eduard Mörike Der Genesene an die Hoffnung, Lied eines Verliebten, Peregrina I und II, Fußreise, Heimweh, Auf einer Wanderung


Hugo Wolf der Liederkomponist

Schwierig war er und eigenbrötlerisch: Der Komponist Hugo Wolf, der ohne eine feste Anstellung sein Leben lang gegen die Armut ankämpfte, der geradezu rauschhaft in Schüben komponierte, fast ausschließlich Lieder und dann jeweils auf Gedichte eines Autors. Im Jahr 1888 galt seine ganze Bewunderung Eduard Mörike, und so entstanden 53 Vertonungen von dessen Gedichten. Mit dem schwäbischen Dichter, mit seiner Originalität und seinem bizarren Humor, mit seiner geheimnisvollen Dämonie und gleichzeitig seiner idyllischen Poesie scheint Hugo Wolf sich geistesverwandt gefühlt zu haben. Im großen Wurf jedenfalls hat er diese Gedichte vertont, mehr noch: hat wunderbare musikalische Nachdichtungen geschaffen.

Peregrina I Der Spiegel dieser treuen, braunen Augen/ ist wie von innerm Gold ein Widerschein;/ tief aus dem Busen scheint er's anzusaugen,/ dort mag solch Gold in heilgem Gram gedeihn./ In diese Nacht des Blickes mich zu tauchen,/ unwissend Kind, du selber lädst mich ein -/ willst, ich soll kecklich mich und dich entzünden,/ reichst lächelnd mir den Tod im Kelch der Sünden!

Von Mörike das Schönste

Das erste Lied unserer Auswahl, Der Genesene an die Hoffnung, ist fast schon eine kleine Kantate, ganz anders als das humoristisch gebrochene Lied eines Verliebten. Die Peregrina-Gesänge sind der Widerschein einer verlorenen Jugendliebe, ein fast magische Höhepunkt aller musikalischen Liebeslyrik. Ganz anders die folgenden Lieder: In der Fußreise zeichnete Wolf ein Bild des Landpfarrers Mörike, eine Figur voller Optimismus und robuster Fröhlichkeit. Voller chromatischer und enharmonischer Abenteuer steckt das schlichte Heimweh, und das berückende Lied Auf einer Wanderung ist ein Meisterwerk poetisch-musikalischer Inspiration.

Peregrina II Warum, Geliebte, denk' ich dein/ auf einmal nun mit tausend Tränen,/ und kann gar nicht zufrieden sein,/ und will die Brust in alle Weite dehnen?/ Ach, gestern in den hellen Kindersaal,/ beim Flimmer zierlich aufgesteckter Kerzen,/  wo ich mein selbst vergaß in Lärm und Scherzen,/ tratst du, o Bildniss mitleidschöner Qual;/ es war dein Geist, er setzte sich ans Mahl,/ fremd saßen wir mit stumm verhaltnen Schmerzen;/ zuletzt brach ich in lautes Schluchzen aus,/ und Hand in Hand verließen wir das Haus.

Michael Nagy und Juliane Ruf

Michael Nagy und Juliane Ruf

Der Bariton Michael Nagy

Das Singen wurde Michael Nagy, 1976 geboren, quasi in die Wiege gelegt: er begann damit bereits in früher Jugend, bei den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben. Erste überregionale Erfolge hatte er als Bundespreisträger bei "Jugend musiziert". Anschließend studierte er in Stuttgart, Mannheim und Saarbrücken Gesang (unter anderem bei Rudolf Piernay), Liedgestaltung (bei Irwin Gage) und Dirigieren (bei Klaus Arp und Georg Grün). Meisterkurse bei Charles Spencer, Rudolf Piernay und Cornelius Reid rundeten seine Ausbildung ab. Internationale Anerkennung brachten der Internationale Schubert-Wettbewerb in Graz und ein Jahr später der Internationale Wettbewerb für Liedkunst der Hugo-Wolf-Akademie in Stuttgart, der Rundfunkaufnahmen und eine Fernsehproduktion des SWR zur Folge hatte. Michael Nagys Karriere hat sich seitdem rasant entwickelt. Nach Gastverträgen an den Opernhäusern von Stuttgart und Mannheim war er zwei Jahre lang Ensemblemitglied der Komischen Oper Berlin und wechselte 2006/07 an die Oper Frankfurt, wo er unter anderem in Mozart-Rollen wie Papageno, Graf und Guglielmo brillierte, aber auch im romantischen Repertoire auf der Bühne stand.

Mit Michael Nagys Karriere als Konzertsänger ist vor allem ein Name eng verknüpft: Helmuth Rilling, der die  Entwicklung des jungen Sängers von Anfang an aufmerksam verfolgt und unterstützt hat. Auch als Konzert- und Oratoriensänger ist er mittlerweile weltweit gefragt, die Engagements führen ihn von der Carnegie Hall in New York bis nach Kuala Lumpur. Ergänzt wird seine umfangreiche Sängertätigkeit durch Liederabende, die er vor allem gemeinsam mit seiner Duopartnerin Juliane Ruf bestreitet. 

Die Pianistin Juliane Ruf

Nicht nur das Klavierspielen, sondern auch Geige und Oboe lernte Juliane Ruf als Kind, konzentriert hat sie sich dann vor allem auf das Klavier. 1975 in Freiburg geboren,  war sie von 1990 an Schülerin von Burkhard Schaeffer in Mainz. Erste Preise erhielt auch sie bei Jugend musiziert, und zwar in den Sparten Klavier solo und Klavierkammermusik. Sie studierte Germanistik und Musik in Mannheim und Heidelberg, bevor sie mit dem Aufbaustudium Liedgestaltung bei Irwin Gage in Saarbrücken begann. Meisterkurse bei den Liedpianisten Charles Spencer, Graham Johnson und Helmut Deutsch sowie bei den Sängern Ruth Ziesak, Ulf Bästlein und Rudolf Piernay kamen hinzu. Die Liste der Preise, die Juliane Ruf für Liedgestaltung zugesprochen wurden, ist lang, ebenso wie die der Stipendien, die ihre Karriere beförderten – unter anderem die der Stiftung Podium Junger Musiker und des Richard Wagner Verbandes. Sie konzertiert heute im In- und Ausland, bei bedeutenden Festivals und in den berühmten Konzerthäusern von Berlin, Bonn, Dortmund, Antwerpen, London und Zürich. Zahlreiche Rundfunk- und Fernsehaufnahmen, unter anderem des SWR, dokumentieren ihre künstlerische Arbeit.

Kerstin Unseld

Letzte Änderung am: 27.05.2011, 10.54 Uhr