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Josef Triebensee spielte Oboe, als Mozarts Oper "Zauberflöte" 1791 in Wien uraufgeführt wurde. Der gefeierte Solist im Konzertleben seiner Zeit komponierte aber auch. Bläsermusik natürlich.
Beim Ettlinger Schlosskonzert am 18. Oktober 2009 spielte das Amphion Bläseroktett Triebensees Parita B-Dur, die Triebensee in bester Harmoniemusik-Tradition schrieb.
Josef Triebensee: Partita B-Dur Andante, Allegro, Andante, Menuetto,Trio. Rondo
Untrennbar ist Josef Triebensees Name mit dem von Wolfgang Amadeus Mozart verbunden. Mehr noch als dass: Durch Triebensee ist Mozarts Name - etwas überspitzt gesagt - erst richtig bekannt geworden. Tatsächlich war es so, dass die Popularität von Mozarts Opern zu seiner Zeit vor allem von Harmoniemusiken befördert wurde, also von jenen Bearbeitungen für Bläserbesetzung, die weit leichter einem breiten Publikum die neusten Opernwerke zu Gehör brachten, als es die Originale selbst tun konnten, die in der Regel adligen Zuhörern vorbehalten blieben. Harmoniemusiken waren dabei nicht nur 'Extrakte' der beliebtesten Arien, sondern oftmals eigene Kunstwerke, etwa wenn sie von Musikern wie Josef Triebensee im Falle des "Don Giovanni" arrangiert wurden.
Triebensees und Mozarts Lebens- und Schaffenszeit fällt genau in jene Epoche zwischen 1780 und 1820, als die sogenannte 'Harmonie' als selbständig musizierende Holzbläser-Abteilung des Orchesters ihre Glanzzeit hatte. Harmonie wurde meist im Freien gespielt, und immer in überschaubarer, leicht 'beweglicher' Besetzung. In Zeiten, als es eben noch keine Tonträger gab, war es die besondere Aufgabe der Harmoniemusik, andere Werke hörbar zu machen - auf der Straße für jedermann.
Die Kunst, im Arrangement eine Partitur ohne 'Verlust' auf einen Holzbläsersatz zu reduzieren, verstand kaum einer so gut wie Josef Triebensee. Er kam aus Böhmen und lernte das Oboespiel bei seinem Vater, einem ausgezeichneten Oboisten. Böhmisches Musikantentum war sozusagen die Basis, von der aus Triebensee dann als Student in Wien aus bei bei Johann Georg Albrechtsberger lernte, der auch Beethovens Lehrer war. Noch nicht zwanzigjährig spielte er als Oboist am Wiener Theater auf der Wieden unter Mozarts Leitung bei der Uraufführung der "Zauberflöte" mit, wechselte später zum Orchester am Kärntnertortheater und leitete die Fürstliche
Harmoniemusik im mährischen Feldsberg. 1816 schließlich wurde er der Nachfolger von Carl Maria von Weber als Opernchef in Prag.
Seine eigenen Kompositionen sind vor seiner übermächtigen Harmoniemusikleistung fast in Vergessenheit geraten. Übrigens schon zu seinen Lebzeiten. Dabei war Tribensee sogar als Opernkomponist tätig, etwas mit "Liebe macht kurzen Prozeß oder Die Heirat auf gewisse Art" (1798), "Der (rote) Geist im Donnergebirge" (1799) oder der Schikaneder-Oper "Telemach auf der Insel Ogygia" (1824). Kammermusik wie die Partita B-Dur schrieb er für eine Besetzung, die ihm als versiertem Harmoniemusiker besonders vertraut war.
"Es ertönte eine angenehme Musik von etwa 20 Spielenden, durchaus Blasinstrumente; man nannte sie 'Harmonie'. Man führte Symphonien, Opernstücke und klassische Stücke von grossen Meistern auf: Gluck, Händel, Mozart", schrieb ein Zeitzeuge über das sonntägliche Frühstück im Wiener Augarten im Jahre 1800.

Amphion Bläseroktett
Es geschieht eher selten, dass ein Bläserensemble in die internationale Kammermusikelite aufsteigt. Dem Amphion Bläseroktett ist es gelungen. Als Gewinner des selten vergebenen ersten Preises beim „Van Wassenaer Concours“, einem Wettbewerb für Alte Musik, 1998 in Den Haag, sorgte das Ensemble schon kurz nach seiner Gründung für internationale Aufmerksamkeit. Es folgten Engagements zu Festivals und etablierten Konzertreihen in ganz Europa.
Als Absolventen der Schola Cantorum in Basel, dem Mekka für historische Aufführungspraxis, standen den Mitgliedern des Amphion Bläseroktetts auch die Türen zu den international renommierten Barockorchestern weit offen. Sie arbeiteten unter Dirigenten wie William Christie, John Eliot Gardiner, Gustav Leonhardt, Jordi Savall und anderen im Ensemble oder auch solistisch.
Die Arbeit der acht Musiker wurde bereits vielfach dokumentiert, so durch Konzertmitschnitte verschiedener Rundfunkanstalten. Auch mehrere CDs hat das Amphion Bläseroktett bereits veröffentlicht, zum Beispiel eine Ersteinspielung von Werken Josef Triebensees, außerdem Harmoniemusiken von Frantisek Krommer und Antonio Rosetti sowie Bläserserenaden von Wolfgang Amadeus Mozart. In Coproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk und dem Südwestrundfunk entstehen zur Zeit weitere Aufnahmen. Alle fanden in der Fachpresse und beim Publikum immer wieder großen Beifall.
Das Repertoire des Ensembles reicht von den bekannten Originalkompositionen Mozarts und Beethovens über Wiederentdeckungen heute vergessener böhmischer und Wiener Meister bis hin zu typischen Bearbeitungen von Opern und Sinfonien des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die Vielfalt der Programme belegt dabei die enorme Beliebtheit und die musikgeschichtliche Stellung dieser Gattung.
Die Bläser des Amphion Oktetts spielen auf Instrumenten aus der Zeit um 1800 oder deren originalgetreuen Kopien.
Kerstin Unseld
Letzte Änderung am: 17.11.2010, 09.38 Uhr