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Georg Philipp Telemann: Suite für 2 Geigen und Basso continuo g-Moll
Telemann hat einmal von sich gesagt, er habe so viele musikalische Ideen, dass er sogar einen Torzettel vertonen könnte – eine Namensliste, mit der man damals an den Stadttoren Buch führte, wer hinein und hinaus ging. Auf unserem Musikstück-Torzettel steht diese Woche das Freiburger BarockConsort. Es spielt Telemanns Suite in g-Moll; ein Mitschnitt vom Oktober 2008 aus dem Konzerthaus Freiburg.

Telemans Unterschrift um 1757
Georg Philipp Telemann:
Suite für 2 Geigen und
Basso continuo g-Moll
TWV 55: g8
1. Aperture
2. Rondeau
3. Passepied
4. Sarabande
5. Echo vistement
6. Passacaglia
Telemann war ein Workaholic. Sein Naturell - so schrieb er – könne „keinen Müßiggang ertragen“. Die reichen Früchte seines Komponistenlebens sind rund 50 Opern und Oratorien, 46 große Passionen, etwa 1700 (!) Kirchenkantaten, 70 weltliche Kantaten, große Festmusiken und jede Menge Instrumentalwerke für alle erdenklichen Anlässe und Besetzungen. Spätere Generationen haben dieses riesenhafte Oeuvre argwöhnisch beäugt: Wer so viel schreibt, kann nur ein Vielschreiber sein, ein Massenproduzent - so die Mutmaßung. Tatsächlich ist nicht alles von Telemann aus purem Gold, aber eben doch vieles!
Als die Stelle des Thomaskantorats neu zu besetzen war, war sich der Rat der Stadt Leipzig schnell einig: Der Favorit hieß Telemann. Dass Johann Sebastian Bach schließlich Thomaskantor wurde, war damals eher eine Notlösung. Telemann indessen war gar nicht ernsthaft an der Stelle interessiert. Er bekleidete seit 1721 die glänzende Position des Musikdirektors in Hamburg und hatte zuvor bereits mehrere angesehene Posten als Kapellmeister und Musikdirektor bekleidet: im polnischen Sorau, in Eisenach und Frankfurt am Main. Aber er hat das Interesse der Leipziger geschickt genutzt, um seine Gehaltsvorstellungen gegenüber der Stadt Hamburg durchzusetzen.
Seine Suite g-Moll eröffnet Telemann mit einer feierlich-pompösen Ouvertüre nach französischem Vorbild: die Rahmenteile mit den typischen französischen Punktierungen haben ein getragenes Tempo, das Mittelstück ist eine rasche Fuge. Daran reihen sich einige französische Tänze der Zeit. Den Höhepunkt bildet dabei eine große Passacaglia – ein großer Ostinato-Satz, bei dem die Oberstimmen über einem gleichbleibenden Bass Variationen spielen. Bemerkenswert ist, wie frei Telemann hier mit der Bass-Melodie umgeht. Ostinato heißt ja eigentlich „hartnäckig, eigensinnig“, und üblicherweise hält das Bassinstrument beharrlich an seinem Thema fest. Doch Telemann baut in die Basslinie von Anfang an mit viel Fantasie rhythmische und melodische Variationen ein.
Wann und für welchen Anlass Telemann diese Suite komponiert hat, lässt sich nicht sagen. Sie wurde – wie die meisten von Telemanns Suiten – im 18. Jahrhundert nicht gedruckt und ist lediglich in einer einzigen handschriftlichen Quelle erhalten. Die Handschrift gehörte zum Repertoire der Dresdner Hofkapelle und liegt heute in der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden. Im Kasten rechts auf dieser Seite finden Sie einen Link zu den Noten – in diesem Fall keine Partitur, sondern Einzelstimmen. Etwa 300 Jahre alt ist diese Handschrift, und auch in der digitalisierten Form kann man daran etwas vom Charme der Geschichte erspüren.
Das Freiburger BarockConsort ist ein Ableger des renommierten Freiburger Barockorchesters. Dessen Konzertmeisterin Petra Müllejans spielt hier wie dort mit. In unserer Aufnahme gesellen sich zu ihr: Christa Kittel (Violine), Beatrix Hülsemann (Viola), Heidi Gröger (Viola da Gamba), Thomas Boysen (Laute) und Torsten Johann (Cembalo).
Wo die barocke Basis sich zerklüftet, wo die Komponisten besonders verrückt und virtuos, traurig und witzig werden und die Wege schmal, da ist das Freiburger BarockConsort unterwegs: ein Ensemble für die kleiner besetzte Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, die intensive Zuwendung im kammermusikalischen Spiel verlangt. Die Besetzung variiert je nach Repertoire. Mit seinen Tourneen hat sich das Freiburger BarockConsort ein internationales Publikum erschlossen: Von Südfrankreich bis Skandinavien, vom Balkan bis nach Südostasien. Inzwischen hat das Ensemble auch mehrere CDs aufgenommen, die allesamt begeistert von der Kritik aufgenommen werden und vielfach mit Preisen ausgezeichnet sind.
Doris Blaich
Letzte Änderung am: 21.11.2011, 19.34 Uhr