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Was Richard Strauss in seiner Jugend komponierte, war für den familiären Hausmusikrahmen gedacht.
Es ist eine andere Welt als die seiner sinfonischen Werke und Opern - und ihr klanglich doch so nah. David Geringas und Ian Fountain spielten im Ettlinger Schlosskonzert am 21.2.2010 Strauss' Violoncellosonate F-Dur op. 6.
Richard Strauss: Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur op. 6 Allegro con brio, Andante ma non troppo, Finale. Allegro vivo
Seine Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur op. 6 band Richard Strauss ganz in seine Münchner Umgebung ein, in die er – noch keine 20 Jahre alt – als Sohn des ersten Waldhornisten der Münchner Hofkapelle hineingeboren wurde. So ist der Widmungsträger dieser zwischen 1881 und 1883 komponierten Sonate Hanuš Wihan, der Solocellist der Münchner Hofkapelle war und als Kollege des Vaters im Elternhause Strauss’ ein- und ausging. Überhaupt lassen sich alle Frühwerke von Strauss der Hausmusikpflege seiner Eltern zuordnen: seine Vorliebe für Kammermusik und seine Kompositionen für die Instrumente aus dem Familien- und Freundeskreis bestimmen maßgeblich das Repertoire. Als die Sonate in einem Nürnberger Hotel vom Widmungsträger uraufgeführt wurde, meldete Strauss seiner Mutter stolz: "Also meine Sonate hat außerordentlich gefallen, sie wurde kolossal applaudiert, von allen Seiten wurde mir gratuliert, und es herrscht nur eine Stimme über das Ganze."
In seiner Musiksprache erweist sich der junge Komponist als ein guter Kenner der Werke von Mendelssohn, Schumann und Brahms. Seine Sonate legte er dreisätzig an und verzichtete damit – wohl mit Blick auf die beachtliche Gesamtlänge - auf einen Scherzo-Satz. An den Anfang stellte Strauss eine fanfarenartige Einleitung, ehe er in seinem ersten Satz das Cello mit einem lyrischen Hauptthema beginnen lässt.
Den zweiten Satz gliedert eine schlichte A-B-A-Struktur, und im Finale fallen Kanons im Durchführungsteil auf, die ein wenig wirken, als seien sie technische Handgelenksübungen. Strauss selbst ging mit seiner Sonate nur wenig später sehr hart ins Gericht. Und wie stark sich nach den frühen Kammermusikwerken generell sein Stil ändern sollte, zeigt ein Brief, den der Komponist nur sieben Jahre nach der Uraufführung seiner Cellosonate über eine weiter Aufführung schrieb: "...was mir furchtbar komisch vorkam, so mit allem Ernst den Leuten ein Stück vorzuspielen, an das man selbst nicht mehr glaubt." In dieser Zeit hatte er sich längst großen sinfonischen Formen und Opern zugewandt.
Am traditionsreichen Moskauer Konservatorium studierte David Geringas von 1963 bis 1973 bei Mstislav Rostropovich, und in dieser Zeit gewann er sowohl den 1. Preis als auch die Goldmedaille beim Tschaikowsky-Wettbewerb. Längst gilt er als einer der namhaftesten Cellisten unserer Zeit und musiziert weltweit mit vielen bedeutenden Orchestern und Dirigenten. Seine umfangreiche Diskographie bietet zahlreiche Aufnahmen, die mit Schallplattenpreisen hohen Ranges ausgezeichnet wurden, darunter den Grand Prix du Disque für die Aufnahme der 12 Cellokonzerte von Luigi Boccherini, den Diapason d´Or d´Année für Kammermusik von Henri Dutilleux und den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik für seine Einspielung der Cellokonzerte von Hans Pfitzner.
David Geringas stammt aus Litauen, was ihn dazu veranlasst, viele Werke der russischen und litauischen Avantgarde als erster Musiker im Westen aufzuführen. Für sein weltweites Engagement für litauische Musik und ihre Komponisten erhielt er höchste Auszeichnungen seines Landes. David Geringas ist Professor an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Außerdem ist er Ehrenprofessor am Moskauer Konservatorium und am Zentralkonservatorium für Musik Peking sowie Ehrendoktor der Musik und Theater Akademie Litauens. Namhafte zeitgenössische Komponisten wie Sofia Gubaidulina, Ned Rorem, Peteris Vasks und Erkki-Sven Tüür haben David Geringas Werke gewidmet.
Der britische Pianist Ian Fountain begann im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel, sang als Chorknabe am „New College“ in Oxford und studierte später am "Winchester College" sowie am "Royal Northern College of Music". 1989 startete der englische Pianist seine internationale Karriere, als er im Alter von 19 Jahren jüngster Preisträger des Arthur Rubinstein-Klavierwettbewerbs in Tel Aviv wurde.
Seit dieser Zeit spielt Ian Fountain in ganz Europa, den USA, im Mittleren Osten und in Großbritannien mit Orchestern wie dem London Symphony Orchestra unter Sir Colin Davis, dem City of Birmingham Symphony Orchestra, der Israelischen Philharmonie unter Zubin Mehta, dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin und dem Singapore Symphony Orchestra. Als Kammermusiker verbindet Ian Fountain eine langjährige Zusammenarbeit mit Musikern wie Ulf Hoelscher und David Geringas, dem Mandelringquartett und dem Emperor Quartet. 2001 wurde Ian Fountain als Professor für Klavier an die Royal Academy of Music in London berufen.
Kerstin Unseld
Letzte Änderung am: 23.02.2011, 09.54 Uhr