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Sergej Rachmaninow: 6 Moments musicaux für Klavier op. 16
Rachmaninow ist nie lauwarm, sondern immer siedend heiß oder eisig kalt - extrem emotional eben. Das zeigt sich bereits in den Moments musicaux des 23-Jährigen. In unserem Musikstück der Woche spielt die russische Pianistin Evgenia Rubinova. Der Mitschnitt stammt aus der SWR-Reihe "Internationale Pianisten in Mainz" vom Januar 2008.

Evgenia Rubinova
Sergej Rachmaninow: 6 Moments musicaux für Klavier op. 16
Nr. 1 b-Moll: Andantino
Nr. 2 es-Moll: Allegretto
Nr. 3 h-Moll: Andante cantabile
Nr. 4 e-Moll: Presto
Nr. 5 Des-Dur: Adagio sostenuto
Nr. 6 C-Dur: Maestoso
Als Diplomarbeit eine Oper - eine Nummer kleiner wäre für Rachmaninow wohl nicht denkbar gewesen. Er liebte das Große, Fulminante. Das Moskauer Konservatorium wusste diesen leidenschaftlichen Ehrgeiz zu schätzen und würdigte die Komposition des 19-jährigen Rachmaninow mit der Großen Goldmedaille.
Aber auch in den kleinen Formen stecken bei Rachmaninow große Gefühle. Seine Moments musicaux, 1896 komponiert (also im Alter von 23 Jahren), sind pianistische Miniaturen mit großer emotionaler Sprengkraft: Sie tragen Sehnsucht in sich, unstillbares Verlangen, Jubel, Kraft, Triumph und finsteres Grübeln.
Der erste "Moment" ist voller Melancholie: Ein zartes, liedhaftes Motiv erklingt, begleitet von sanft wogenden Akkorden. Im Mittelteil steigert Rachmaninow dann das Tempo und formt ein virtuoses Laufwerk, bevor die Musik am Schluss zu ihrem Ursprung zurückfindet.
Im zweiten Stück, einem motorisch anmutenden Allegretto, fällt vor allem die sich unaufhörlich bewegende Bass-Stimme auf.
Nr. 3 ist eine "Tristan"-Miniatur: Die schillernde Harmonik ist direkt bei Wagners "Tristan und Isolde" abgelauscht.
Nach diesen schmerzvollen Klängen folgt im vierten Stück die ungebändigte Leidenschaft: Ohne Unterbrechungen rasen die Läufe dahin. Dazu bildet sich allmählich ein fanfarenartiges Motiv heraus, das die jubelnde Grundstimmung wirkungsvoll unterstützt.
Eine äußerst schlichte Melodie bildet den Kern des fünften Moment musical. Die Begleitung der linken Hand beschränkt sich dabei auf unveränderte Akkordbrechungen - ein Ostinato-Effekt, der der Musik einen Hauch von Volkstümlichkeit verleiht.
Den Abschluss des Zyklus bildet ein jubelndes Maestoso: Hier wird die Stimmung des vierten Stücks wieder aufgenommen und mit farbigen Harmonien und rhythmisch effektvollen Taktwechseln noch gesteigert.
Evgenia Rubinova
Dieses Silber ist eigentlich Gold wert: Die russische Pianistin Evgenia Rubinova erhielt beim renommierten Klavierwettbewerb in Leeds 2003 eine Silbermedaille – wie zuvor beispielsweise Mitsuko Uchida und Lars Vogt. Sie studierte in der Meisterklasse von Professor Lev Natochenny in Frankfurt am Main. Ihre Debüt-CD, die bei EMI erschien, erhielt international beste Kritiken.
Wie bei vielen jungen Künstlern, bewirkten auch bei Evgenia Rubinova ein paar Einspringer entscheidende Karriereschübe: so bot sie für Yundi Li und Gabriela Montero einen würdigen Ersatz. Mittlerweile hat ihr Name aber genug Magnetkraft, um volle Konzertsäle zu garantieren. Sie konzertiert mit den großen Orchestern Europas (das London Philharmonic ist dabei, das Kölner Gürzenich-Orchester, das Wiener Kammerorchester und das RSO Stuttgart des SWR); und die musikalische Landkarte ihrer Soloabende ist ein weitläufiges Netz mit prominenten Punkten: die Wigmore Hall in London, die Tonhalle Zürich, New York, Washington, Chicago und Paris.
Doris Blaich und Bernhard Schrammek
Letzte Änderung am: 07.09.2011, 11.36 Uhr