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für Oboe und Klavier op. 94 - von Robert Schumann
Schwärmerisches Liebeserlebnis, erzählendes Gedicht, liedartiges Musikstück - das listet das Wörterbuch unter dem Stichwort "Romanze" auf. In Roberts Schumanns Romanzen op. 94 trifft all das zusammen. In unserem "Musikstück der Woche" spielen zwei Mitglieder des Jerusalem Chamber Music Festival Ensembles: Ramón Ortega und die Pianistin Elena Bashkirova. Ein Mitschnitt von den Bruchsaler Schlosskonzerten 2010.
Robert Schumann: Romanzen für Oboe und Klavier op. 94 1. Nicht schnell, 2. Einfach, innig, 3. Nicht schnell
„Lerne die Instrumente recht in ihrer natürlichen Kraft, der Mittellage, anwenden, vermeide alles zu hohe oder zu tiefe“, rät Robert Schumann seinem komponierenden Schwager, der offenbar in einem seiner Werke die Oboe unvorteilhaft behandelt hat: „Sie klingt am schönsten vom h‘ bis zweigestrichenen a.“ Drei Wochen später (im Dezember 1849) liefert Schumann den kompositorischen Beweis für seine These: die drei Romanzen für Oboe und Klavier – wunderbar poetische Stücke, in denen sich die beiden Instrumente wie ein flirtendes Liebespaar umschmeicheln und umranken. Die Romanzen werden sofort zu einem der Lieblingsstücke aller Oboisten (deren Kammermusikrepertoire ja nicht gerade riesig ist). Und sie sind es bis heute geblieben.
Ein Wissenschaftler hat sich die Mühe gemacht, eine Statistik über die Häufigkeit der verwendeten Oboentöne zu erstellen. Ergebnis: Schumann hat in seiner Komposition ganz und gar seinen eigenen Rat beherzigt. Mit Abstand am häufigsten verwendet er diejenigen Töne der Oboe, mit denen sie sich klanglich von der Schokoladenseite präsentieren kann. Registerbereiche, die deutlich über oder unter dem empfohlenen Spektrum liegen, kommen nur selten vor – wie ein starkes Gewürz, das nur dann eine gute Wirkung entfaltet, wenn man es sehr behutsam dosiert.
Einfacher, zeitsparender und sicher auch vergnüglicher ist es, Schumanns These mit den Ohren zu überprüfen. Dann wird man zudem erleben, dass er seinem künstlerischen Anspruch mit diesen Stücken ganz und gar gerecht wurde: "Licht senden in die Tiefen des menschlichen Herzens ist des Künstlers Beruf".
1998 rief die Pianistin Elena Bashkirova das Jerusalem Chamber Music Festival ins Leben, das alljährlich im September stattfindet. In gleicher Weise wie ihr Ehemann Daniel Barenboim setzt Bashkirova sich hier mit ihrer Musik für einen friedlichen Austausch zwischen Menschen und Völkern ein. Jerusalem mit seiner Ansammlung unterschiedlicher Kulturen und seiner einzigartigen spirituellen Atmosphäre vereint seither Musiker verschiedenster Nationen und religiöser Hintergründe, um die Tradition des jährlich stattfindenden Kammermusikfestivals fortzuführen, das längst ein maßgeblicher Bestandteil des kulturellen Lebens in Israel geworden ist. Auch außerhalb Israels tritt das Ensemble regelmäßig auf: In Europa und in den USA.
Beim Bruchsaler Schlosskonzert spielte das Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble in relativ kleiner Besetzung, und zwei der Musiker wirken bei unserem „Musikstück der Woche“ mit:
Elena Bashkirova, die künstlerische Leiterin des JCMF, wurde 1958 in Moskau geboren und entstammt einem musikalischen Elternhaus. Sie studierte am Tschaikowsky Konservatorium in der Meisterklasse ihres Vaters, des berühmten Pianisten und Musikpädagogen Dimitrij Bashkirov. Sie ist häufig Gast bei renommierten Orchestern und arbeitet dort mit Dirigenten wie Pierre Boulez, Zubin Mehta oder Christoph von Dohnányi zusammen.
Elena Bashkirovas Interesse gilt dem klassisch-romantischen Repertoire ebenso wie der Musik des 20. Jahrhunderts. So hat sie bei zahlreichen Uraufführungen mitgewirkt. Auch Kammermusik und Liedbegleitung spielen eine wichtige Rolle in ihrer Arbeit.
Der Oboist Ramón Ortega (geb. 1988) erhielt schon früh eine gründliche Ausbildung am Konservatorium seiner Heimatstadt Granada. Als Zwölfjähriger fand er Aufnahme ins Andalusische Jugendorchester. Eine wichtige Hürde nahm er im Jahr 2003, als ihn der Dirigent Daniel Barenboim ins „West-Östliche Diwan-Orchester“ aufnahm. An vielen Proben- und Konzertperioden war Ramón Ortega seither mit großem Engagement beteiligt. Gregor Witt, Solo-Oboist in Barenboims Berliner Staatskapelle, nahm den Hochbegabten unter seine Fittiche und betreute dessen künstlerischen Werdegang als Mentor. Internationale Aufmerksamkeit als Solist erreichte der junge Spanier erstmals, als er im September 2007 zum Ersten Preisträger beim ARD-Wettbewerb in München ausgerufen wurde. Die Juroren waren tief beeindruckt, wie inspiriert, wie makellos er die Pflicht- und Kürstücke interpretierte, darunter die Konzerte von Mozart und Richard Strauss. Seit 2008 ist Ortega Solo-Oboist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
Doris Blaich
Letzte Änderung am: 27.01.2011, 15.21 Uhr