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Musikstück der Woche vom 7.3. bis 13.3.2011  Klaviersonate des polnischen Premierministers

Ignacy Jan Paderewksi: Sonate für Klavier es-Moll op. 21

Politiker schreiben Verträge, Komponisten schreiben Musik - normalerweise. Ignacy Jan Paderewski hat beide Metiers meisterhaft beherrscht, und dazu war er auch noch ein begnadeter Pianist. Seine Klaviersonate es-Moll ist unser Musikstück der Woche. Ein Live-Mitschnitt aus dem SWR-Konzert Internationale Pianisten in Mainz vom 11. April 2008. Jonathan Plowright spielt.

Ignacy Jan Paderewski: Klaviersonate es-Moll op. 21
1. Con fuoco. 2. Andante ma non troppo. 3. Allegro vivace.
Jonathan Plowright (Klavier)

Eigentlich hätte Ignacy Jan Paderewski gerne mehr komponiert – wenn sein Terminkalender es erlaubt hätte. Aber der war zum Bersten voll: mit politischen Verpflichtungen – Paderewski war eine Zeit lang polnischer Premier- und Außenminister und hat unter anderem den Versailler Vertrag mit unterzeichnet. Und außerdem häuften sich darin Konzerttermine, denn er war auch ein brillanter Pianist und trat in ganz Europa auf. 1903 legte er ein pianistisches Sabbatjahr ein: er blieb der Konzertbühne fern und nutzte die Zeit für die Arbeit an einer Sinfonie (sie trägt den Beinamen „Polonia“ und sollte seine einzige Sinfonie bleiben) und für die Ausarbeitung der Klaviersonate op. 21, die schon fast 15 Jahre halbfertig in der Schublade lag.

Paderewski schrieb seine Klavierwerke für sich selbst. Die große Klaviersonate op. 21 in es-Moll ist ein treffendes Beispiel für diesen individuellen Kompositionsstil. Sowohl die pianistisch anspruchsvollen Figuren als auch die gefühlvollen Passagen erfordern ein großes Maß an Expressivität des Interpreten. Dass die Sonate ganz auf ihren Schöpfer zugeschnitten ist, zeigen auch die zahlreichen agogischen Feinheiten, die das gesamte Werk durchziehen. Paderewski war ein bedeutender Vertreter des Tempo rubato-Stils, ebenso wie die großen pianistischen Meister des 19. Jahrhunderts Franz Liszt und Frédéric Chopin.

Kann man gestohlene Zeit wieder zurückgeben?

Zu Deutsch bedeutet Tempo rubato so viel wie „gestohlene Zeit“. In seinem Essay zum Tempo rubato sprach sich Paderewski gegen die weit verbreitete Vorstellung aus, dass eine gestohlene Zeit auch wieder zurückgegeben werden müsse: „Der Notenwert, in einem Zeitabschnitt durch ein accelerando verringert, kann nicht immer in einem anderen durch ein ritardando wiederhergestellt werden. Was verloren ist, ist verloren.“ Chopins Leitgedanke des Tempo rubato, eine kontinuierlich tempohaltende linke und eine frei spielende rechte Hand, teilte Paderewski zwar, fügte jedoch hinzu, dass es kein metronomisches, sondern ein „menschliches“ Tempohalten sein müsse, da sonst die kompositorische Freiheit gefährdet sei: „denn die Vorstellungskraft eines Komponisten und das Gefühl eines Interpreten sind keine demütigen Sklaven eines Metronoms oder Tempos.“

Das Zitat Paderewskis gibt sowohl Aufschluss über sein Verständnis von Komposition, als auch über dessen Spielweise als Interpret: Individualität und viel Emotion. So heißt es weiter in seinem Text: „Im musikalischen Ausdruck gibt es gewisse Sachverhalte, die vage sind und folglich nicht definiert werden können; weil sie einzelnen Personen entsprechen.“ Seine individuelle Virtuosität am Klavier und Emotionalität in der Person verwirklicht Paderewski in der Klaviersonate es-Moll - seiner letzten- par excellence.

Jonathan Plowright

Der Pianist Jonathan Plowright

Der Pianist Jonathan Plowright

Von der britischen Zeitschrift "Gramophone" als "einer der herrlichsten lebenden Pianisten gefeiert", ist Jonathan Plowright mit seinen CD-Einspielungen beim größten britischen Klassiklabel „Hyperion“ weltweit als außergewöhnlicher Pianist anerkannt.

Geboren 1959 in Yorkshire, absolvierte er sein musikalisches Studium an der Royal Academy of Music in London und am Peabody Conservatory in Baltimore. Als Gewinner zahlreicher Klavierwettbewerbe errang Plowright schnell Ansehen in der Musikwelt. Kritiker, Kollegen und nicht zuletzt das Publikum sind von dem britischen Ausnahmepianisten begeistert.

Plowrights Diskographie spiegelt eine deutliche Affiniät zu den polnischen Komponisten der Romantik wieder. Neben seiner CD mit Werken Chopins finden sich aber auch eher Namen wie Sigismund Stojowski, Henryk Melcer und Ignacy Jan Paderewski in seinen Einspielungen. Im Sommer dieses Jahres soll übrigens eine weitere CD mit Werken Paderewskis erscheinen.

Neben seiner Tätigkeit als Konzertpianist hat die Nachwuchsförderung für Jonathan Plowright einen hohen Stellenwert: Er gibt Meisterkurse, ist Juror bei vielen Wettbewerben internationaler Musikkonservatorien und unterrichtet außerdem an der University of Chichester sowie an der Royal Scottish Academy of Music & Drama.

Johannes Joseph

Quelle: SWR2

Letzte Änderung am: 28.02.2011, 16.11 Uhr

Sendezeit Montags ab 13.05 Uhr

Musikstück der Woche im SWR2 Mittagskonzert

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