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Wolfgang Amadeus Mozart komponierte sein Klavierkonzert Nr. 18 für den sofortigen Gebrauch - Konzertmusik für seine Zeit und für eine besondere Pianistin
Der in Wien geborene Pianist Till Fellner spielte dieses Konzert seines Landsmannes bei seinem Auftritt am 22.02.2008 mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg. Dirigentin im Konzerthaus Freiburg war die junge estnische Dirigentin Anu Tali.
Wolfgang Amadeus Mozart: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 18 B-Dur, KV 456 Allegro vivace, Andante un poco sostenuto, Allegro vivace
In den ersten Wochen des Jahres 1784 trat Wolfgang Amadeus Mozart an nur 38 Tagen in 22 verschiedenen Akademiekonzerten auf, und er bemerkt dazu in einem Brief: „nun können Sie sich leicht vorstellen, daß ich nothwendig Neue Sachen spiellen muß – da muß man also schreiben.“ Im Gegensatz zu heute war das Publikum damals vor allem an Neuer Musik interessiert, und der 28 Jahre junge Mozart, der bereits seit 3 Jahren als freischaffender Künstler in Wien lebte, konnte geschickt seine Erfolge als Pianist mit denen als Komponist verbinden. So schrieb er allein im Jahr 1784 sechs Klavierkonzerte, die sich trotz ihrer individuellen Verschiedenheit was die formale Anlage und die Besetzung vor allem der Bläser betrifft, ähneln.
Das B-Dur-Konzert KV 456, ob seines punktierten marschartigen ersten Themas zu Beginn jenen ‚Militärkonzerten’ zugerechnet, zu denen auch KV 415, 451 und 459 aus der gleichen Zeit zählen, ist vermutlich für Maria Theresia Paradis komponiert worden. Ein Umstand, der Mozart nicht daran hinderte, das Konzert auch selbst zu spielen. Aber die blinde Pianistin war seit 1775 der Star unter Wiens Pianisten. Leopold Mozart berichtete seiner Tochter Nannerl aus Wien, dass Wolfgang "für die Paradis nach Paris gemacht“ habe, und Musikforscher gehen davon aus, dass es sich dabei um das Klavierkonzert KV 456 handelte.
Konzertreisen führten „die Paradis“ durch ganz Europa, stets in Begleitung ihrer Mutter und ihres Librettisten und Violonisten Johann Riedinger, der für sie eine Blinden-Notenschrift erfand. Hauptsächlich spielte sie Werke ihres Lehrers Leopold Antonin Kozeluch, aber auch von Joseph Haydn und Antonio Salieri, der ihr ein Orgelkonzert widmete. Seltener spielte sie Werke von Mozart, umso bemerkenswerter ist das Konzert KV 456, das als Komposition auch Auskunft über die große Virtuosität der blinden Pianistin gibt.
Die Geschichte des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg reicht in das Jahr 1946 zurück. Sie ist geprägt von unroutiniertem Umgang mit der Tradition, Aufgeschlossenheit für das Neue und Ungewöhnliche: Tugenden, über die auch Chefdirigent Sylvain Cambreling in ungewöhnlichem Maße verfügt, der seit 1999 mit dem Orchester arbeitet. Er bildet, zusammen mit seinem Vorgänger Michael Gielen und Hans Zender als ständigen Gastdirigenten, ein Triumvirat, wie es in der internationalen Orchesterlandschaft beispiellos ist.
Dass man mit hohen Ansprüchen Erfolg haben kann, beweist das Orchester bis heute. Mehr als 300 von ihm eingespielte Kompositionen sind auf CD erschienen, und es reist seit 1949 als musikalischer Botschafter durch die Welt. Zahlreiche Gastspiele verzeichnet die Orchesterchronik, darunter regelmäßig zum Festival d’Automne Paris, den Salzburger Festspielen, nach Wien, Berlin und Edinburgh, Brüssel, Luzern, Strasbourg, Frankfurt...
1999 spielte das Orchester in der New Yorker Carnegie Hall u.a. die amerikanische Erstaufführung von Bernd Alois Zimmermanns "Requiem für einen jungen Dichter". Viel beachtete Großprojekte fanden in den letzten Jahren unter anderem bei den Salzburger Festspielen, bei der 1. RUHRtriennale und in der Kulturhauptstadt Europas Graz statt. 2005/06 wurden - neben dem orchestereigenen 60. Geburtstag - sowohl Mozarts 250. als auch Helmut Lachenmanns 70. Geburtstag in etwa einem Dutzend Konzerten zwischen Wien und Paris, Brüssel und Berlin gefeiert.
Ungewöhnliche Konzert-Konzepte unterstreichen das besondere Profil des Orchesters: So etwa die Verschränkung von Haydns "Sieben letzten Worten" in einer den Raum einbeziehenden Bearbeitung von Sylvain Cambreling mit Messiaens "Et exspecto resurrectionem mortuorum" und literarisch-theologischen Betrachtungen von Martin Mosebach, oder eine "Hommage à Mozart" gemeinsam mit dem Freiburger Barockorchester.
Till Fellner wurde in Wien geboren, wo er bei Helene Sedo-Stadler studierte. Weitere Studien führten ihn zu Alfred Brendel, Meira Farkas, Oleg Maisenberg und Claus-Christian Schuster.Seine internationale Karriere begann 1993 mit dem 1. Preis beim Concours Clara Haskil in Vevey (Schweiz).Seitdem ist Till Fellner gefragter Gast bei renommierten Orchestern, in den großen Musikzentren in Europa, den USA und Japan sowie bei vielen wichtigen Festivals. Zu den Dirigenten, mit denen er zusammengearbeitet hat, zählen Claudio Abbado, Vladimir Ashkenazy, Christoph von Dohnányi, Nikolaus Harnoncourt, Heinz Holliger, Marek Janowski, Sir Charles Mackerras, Sir Neville Marriner, Kurt Masur, Kent Nagano, Jukka-Pekka Saraste, Leonard Slatkin, Claudius Traunfellner, Franz Welser-Möst und Hans Zender.
Till Fellner musiziert regelmäßig in einem Trio mit Lisa Batiashvili und Adrian Brendel; eine weitere intensive Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Tenor Mark Padmore.
Seit Oktober 2008 spielt Till Fellner in einem auf sieben Konzerte angelegten Zyklus alle Beethoven-Klaviersonaten; der gesamte Zyklus ist u. a. in New York, Washington, Tokio, London, Paris und Wien zu hören. Daneben konzertierte er in der vergangenen Saison u. a. mit dem Orchestre Symphonique de Montréal, dem Hallé Orchestra und der Accademia di Santa Cecilia. Im Frühjahr 2009 brachte er gemeinsam mit dem Cellisten Adrian Brendel und dem Bariton Roderick Williams die "Bowstrike-Sequence" von Harrison Birtwistle zur Uraufführung.
Kerstin Unseld
Letzte Änderung am: 27.01.2010, 10.35 Uhr