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Fauré Quartett
Die Klavierquartette von Felix Mendelssohn Bartholdy sind nicht so berühmt, wie sie sein sollten. Sind sie doch die großartigen Erstlingswerke eines genialen Frühstarters. Das Fauré Quartett, eines der wenigen 'festen' Klavierquartett-Ensembles im internationalen Konzertleben, pflegt diese Literatur in besonderem Maße und stellt sie in den Mittelpunkt. So geschehen mit dem Klavierquartett Nr. 2 f-Moll beim Bruchsaler Schlosskonzert am 31.10.2009.
Felix Mendelssohn Bartholdy: Klavierquartett Nr. 2 f-Moll op. 2 Allegro molto, Adagio, Intermezzo. Allegro moderato, Allegro molto vivace
Sie sind Felix Mendelssohn Bartholdys erste gedruckten Werke: Die Klavierquartette op. 1 - 3. Und sie sind die beachtlichen Arbeiten eines 13-15-Jährigen, der bereits seit einigen Jahren mit atemberaubender Geschwindigkeit Lieder, Klaviersonaten, Trios, Sonaten, Streichersinfonien, Singspiele, eine Oper und ein Klavierkonzert und anderes komponiert hatte. Denn als Felix erstmals etwas im Druck veröffentlichte, war er kein Unbekannter mehr. Johann Wolfgang von Goethe hatte sich begeistert über ihn geäußert, die Berliner Musikszene kannte ihn als klavierspielendes Wunderkind und namhafte Komponisten wie Ferdinand Hiller und Carl Maria von Weber hatten längst sein Talent erkannt.

Felix Mendelssohn-Bartholdy
Interessant ist, dass Mendelssohn die seltenere Besetzung Klavierquartett dem Streichquartett vorzog, als es darum ging, mit einem Opus 1 in Druckform als Komponist an die die Öffentlichkeit zu treten. Obwohl er zeitgleich Streichquartett-Studien betrieb, zog er die Quartettversion mit Klavier vor, mit jenem Instrument also, das ihm selbst wie auch seiner Schwester Fanny am vertrautesten war. Es mag die anregende Atmosphäre bei den berühmten "Sonntagsmusiken" im Berliner Elternhaus Mendelssohns gewesen sein, die den jungen Komponisten überhaupt so stark zur Kammermusik motivierte. Denn hier, in der Leipziger Straße und vor so illustren Gästen wie Heinrich Heine, Bettina von Arnim und Alexander von Humboldt, konnte Felix seine Werke vorstellen.
Das zweite Klavierquartett ist Friedrich Zelter gewidmet, bei dem Felix Kompositionsunterricht erhielt, seit er 10 Jahre alt war. Die Klavierquartette sind in ihrer Anlage alle viersätzig und mehr oder weniger schulmäßig der Sonatenform verpflichtet. Jeweils zwei Allegro-Sätze rahmen die Quartette, und jeweils ein langsamer Satz steht an zweiter Stelle. Im Unterschied zu den beiden anderen Quartetten ist im zweiten, dem f-moll-Quartett, der dritte Satz mit "Intermezzo" überschrieben und erweist sich als Gigue im 6/8-Takt.
Es ist ein Lob, das adelt: "Wer das Fauré Quartett hört, möchte es wieder hören", sagte die argentinische Pianistenlegende Martha Argerich nach einem Konzert des Fauré Quartetts in Karlsruhe. An der dortigen Musikhochschule trafen sich die vier Musiker als Studierende, und 1995, als sich der Geburtstag des Komponisten Gabriel Fauré zum 150. Mal jährte, wählten sie aus Liebe zu den beiden Klavierquartetten Faurés dessen Namen auch für ihr Ensemble. Der Karlsruher Musikhochschule ist das Fauré Quartett nach wie vor verbunden, heute als "Quartet in Residence", - einer Auszeichnung, die in Karlsruhe seit 30 Jahren nicht vergeben wurde und für ein Klavierquartett ein Novum darstellt.
Heute konzertiert das Fauré Quartett, welches mittlerweile als eines der renommiertesten deutschen Kammermusikensembles gilt, auf den wichtigsten internationalen Podien und Festivals, wie dem Schleswig-Holstein- Musikfestival, Rheingau-Musik-Festival, Schwetzinger Festspiele, Ludwigsburger Festspiele, Martha Argerich Festival Buenos Aires, Festival de Radio France et Montpellier, Kuhmo Chamber Music Festival, Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, Kissinger Sommer, Festival de l'Orangerie de Sceaux und anderen.
Nach dem 2005 erfolgten Plattenvertrag des Fauré Quartetts mit der Deutschen Grammophon wurden zum Mozartjahr die beiden Klavierquartette des Komponisten veröffentlicht. Im Februar 2008 erschien zudem die neueste CD mit den Klavierquartetten op. 25 und op. 60 von Johannes Brahms, für die das Fauré Quartett mit einem „Klassik-Echo“ ausgezeichnet wurde. Überhaupt wird das Fauré Quartett längst von Publikum und Kritik als das weltweit führenden – feste Klavierquartett betrachtet und ihm im Bereich der Gattung Klavierquartett eine Pionierrolle zuerkannt. Die Preise, Ehren und Auszeichnungen, die es erhielt, wurden vorher keinem anderen Klavierquartett zuteil. Darunter zählen neben dem Echo Klassik 2008 auch der Preis der Deutschen Schallplattenkritik, sowie u.a. der Parkhouse Award London, der Preis des Deutschen Musikwettbewerbes, der 1. Preis des Deutschen Hochschulwettbewerbs und der Kunstpreis des Landes Rheinland Pfalz
Von Beginn an und damit seit fast 15 Jahren spielt das Faurè Quartett in der Besetzung mit Erika Geldsetzer aus Betzdorf (Violine), dem Bratscher Sascha Frömbling (geboren 1974 in Mexico City), dem Cellisten Konstantin Heidrich (1975 in Hamburg als Sohn des Geigers und Komponisten Peter Heidrich geboren) und dem Pianist Dirk Mommertz aus Mainz. Die vier Musiker bringen mit Kinderkonzerten und ihrer Initiative ”Rhapsody in school” klassische Musik regelmäßig auch Kindern und Jugendlichen nahe. Außerdem unterrichten sie im Rahmen von Professuren und Lehraufträgen an der Royal Academy of Music in London, der Universität der Künste in Berlin, der Essener Folkwang Hochschule und der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden.
Kerstin Unseld
Letzte Änderung am: 25.03.2011, 13.47 Uhr