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Der Wiener Erfolg von Luigi Cherubinis Oper "Medea" spiegelte und mehrte sich durch die Harmoniemusik-Fassung von Josef Triebensee.
Arien, gesungen von 8 Blasinstrumenten samt Kontrabass, waren um 1800 so populär, weil sie Beliebtes aus dem Opernhaus auf die Straße brachten. Dass sie bis heute - wo sie längst auf Kammerkonzertbühnen erklingen - immer noch erfolgreich und klangschön sind, stellte das Amphion-Bläseroktett aus Basel am 18.10.2009 bei seinem Ettlinger Schlosskonzert vor.
Luigi Cherubini: Auszüge aus: "Medea", für Harmoniemusik bearbeitet von Josef Triebensee Sinfonia, Arie der Neris "Medea, o Medea!", Chor "O schöne Glauke, der große Jason", Duett Medea und Jason "Herzlose Feinde" – "Lasst, o Götter, ihre unheilvolle Drohung nicht erfüllt sein"
Die Medea, das war Maria Callas' Paraderolle. Sei es auf der Opernbühne beispielsweise 1953, als der junge Dirigent Leonard Bernstein mit diesem Werk an der Mailänder Scala sein Debüt als Operndirigent gab, sei es 1969 in der Regie von Luigi Pasolinis, als die Callas an Originalschauplätzen in Kappadokien und Syrien ihren einzigen Film spielte und dabei keinen Ton singen durfte. Durch Maria Callas, durch ihre einzigartige Interpretation dieser mythologischen Priesterin und Zauberin vom Schwarzen Meer, durch ihre Identifizierung mit der Figur der Medea, kam Luigi Cherubinis Oper zurück ins Bewusstsein. Eine fast vergessene Oper, die 1797 mit mäßigem Erfolg im Pariser Théâtre Feydeau auf französisch uraufgeführt wurde, erlebte durch "la Diva" eine regelrechte Renaissance, die genau solange anhielt, solange sich Maria Callas ihrer annahm.
Aber es wahr schon die zweite 'Renaissance' der Oper des in Florenz geborenen und Paris tätigen Komponisten Cherubini. Denn nachdem "Medea" 1802 in Wien auf die Bühne kam, begann sie ihren 'Siegeszug' über europäische Opernbühnen. Und weil es die ehrenvolle Aufgabe von Harmoniemusiken in dieser Zeit war, erfolgreiche Opernmelodien via Bläserbearbeitung zu verbreiten, den Erfolg zu mehren und gleichzeitig vom Erfolg der bearbeiteten Stücke zu profitieren, nahm sich auch der Beethoven-Zeitgenosse Josef Triebensee, böhmischer Oboist und Komponist, daran, Cherubinis Arien für Bläseroktett mit je 2 Oboen, Klarinetten, Hörnern und Fagotten zu instrumentieren. "Auf die harmonie gesetzt" hat Mozart seine Opern, aber auch eigene - wie später Beethoven und Schubert - für Bläseroktett eigene Werke geschrieben. Das typische Klangbild der Harmoniemusik-Besetzung, das die Popularität der Opern dieser Zeit mehren sollte, war längst selbst ein Erfolgsmodell mit eigenem Repertoire geworden.
Es geschieht eher selten, dass ein Bläserensemble in die internationale Kammermusikelite aufsteigt. Dem Amphion Bläseroktett ist es gelungen. Als Gewinner des selten vergebenen ersten Preises beim "Van Wassenaer Concours", einem Wettbewerb für Alte Musik, 1998 in Den Haag, sorgte das Ensemble schon kurz nach seiner Gründung für internationale Aufmerksamkeit. Es folgten Engagements zu Festivals und etablierten Konzertreihen in ganz Europa.
Als Absolventen der Schola Cantorum in Basel, dem Mekka für historische Aufführungspraxis, standen den Mitgliedern des Amphion Bläseroktetts auch die Türen zu den international renommierten Barockorchestern weit offen. Sie arbeiteten unter Dirigenten wie William Christie, John Eliot Gardiner, Gustav Leonhardt, Jordi Savall und anderen im Ensemble oder auch solistisch.
Die Arbeit der neun Musiker (zum Bläseroktett zählt noch ein Kontrabass als neuntes Instrument) wurde bereits vielfach dokumentiert, so durch Konzertmitschnitte verschiedener Rundfunkanstalten. Auch mehrere CDs hat das Amphion Bläseroktett bereits veröffentlicht, zum Beispiel eine Ersteinspielung von Werken Josef Triebensees, außerdem Harmoniemusiken von Frantisek Krommer und Antonio Rosetti sowie Bläserserenaden von Wolfgang Amadeus Mozart. In Coproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk und dem Südwestrundfunk entstehen zur Zeit weitere Aufnahmen. Alle fanden in der Fachpresse und beim Publikum immer wieder großen Beifall.
Das Repertoire des Ensembles reicht von den bekannten Originalkompositionen Mozarts und Beethovens über Wiederentdeckungen heute vergessener böhmischer und Wiener Meister bis hin zu typischen Bearbeitungen von Opern und Sinfonien des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die Vielfalt der Programme belegt dabei die enorme Beliebtheit und die musikgeschichtliche Stellung dieser Gattung. Die Bläser des Amphion Oktetts spielen auf Instrumenten aus der Zeit um 1800 oder deren originalgetreuen Kopien.
Kerstin Unseld
Letzte Änderung am: 22.02.2011, 11.54 Uhr