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Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 85 B-Dur

Freiburger Barockorchester
Haydn und das Freiburger Barockorchester - eine ideale Kombination! In unserem Musikstück der Woche sind sie königlich vereinigt in der Sinfonie "La Reine". Der Live-Mitschnitt stammt vom September 2008 aus dem Konzerthaus Freiburg.
Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 85 B-Dur, "La Reine"
1. Adagio - Vivace, 2. Romanze. Allegretto, 3. Menuetto. Allegretto, 4. Finale. Presto.
Freiburger Barockorchester, Leitung: Petra Müllejans
Live-Mitschnitt vom 30.09.2008 aus dem Konzerthaus Freiburg
"La Reine" – die Königin – heißt diese Sinfonie. Der Name stammt (wie die meisten sinfonischen Beinamen) nicht vom Komponisten selbst, sondern von einem cleveren Verleger: er ist natürlich einprägsamer und als der schlichte Zusatz "Nr. 85 in B-Dur" und regt zudem die Phantasie eines potentiellen Käufers an. Königlich ist vor allem der Anfang der Sinfonie. Er benutzt das Vokabular, mit dem sich die französische Musik als königlich-absolutistische Kunst schlechthin definiert: die scharf punktierten Rhythmen und schnellen Tonleiter-Läufe sind die Kennzeichen jeder französischen Opern-Ouvertüre.
Haydn schrieb die Sinfonie 1785 – als zweites Werk einer Serie von sechs Sinfonien, die speziell für Paris entstanden. Der Auftrag ging von Claude-François Marie Rigoley aus, dem Comte d’Ogny. Er war Mitbegründer des "Concert de la Loge Olympique", einer der wichtigsten Konzert-Institutionen in Paris; getragen von einer wohlhabenden und einflussreichen Freimaurer-Loge. Königin Marie Antoinette förderte die Loge persönlich. Sie soll diese Sinfonie ganz besonders geschätzt haben – und vielleicht rührt der Beiname „La Reine“ auch daher. Dass Haydn im ersten Satz der "Königinnen-Sinfonie" das Hauptthema seiner "Abschiedssinfonie" zitiert, bekommt in diesem Zusammenhang am Vorabend der Französischen Revolution einen pikanten (oder soll man sagen: orakelhaften?) Beigeschmack. Bekanntlich ist Marie Antoinette ein prominentes Opfer der Guillotine.
Die Konzerte der Freimaurer-Loge fanden vor einem kleinen, erlesenen Publikum statt. Das Orchester war eines der besten von Paris. Es bestand zu mindestens zwei Dritteln aus Berufsmusikern (darunter die versiertesten Instrumentalisten Frankreichs). Die Besetzung war üppig: bis zu 65 Musiker saßen auf der Bühne, für damalige Verhältnisse fast eine Masse! Die Musiker trugen blaue Gehröcke und Degen – das Konzerterlebnis war also sowohl fürs Ohr als auch fürs Auge eindrucksvoll. Am ersten Pult der zweiten Geige saß der Verleger Jean-Jérôme Imbault, der Haydns Pariser Sinfonien 1788 im Druck veröffentlichen sollte.
Ein königlicher Handel
Haydn erhielt von seinem Auftraggeber ein stattliches Honorar: 65 Louis d’or pro Sinfonie. Geschäftstüchtig wie er war, verkaufte er die Werke außerdem an seinen Wiener Verleger Artaria – mit der Beteuerung, dass der Verleger "ganz allein damit bedient werden" solle. Zusätzlich bot er die Sinfonien 'exklusiv' einem Londoner Notenverlag an, der sie ebenfalls verlegte und Haydn dafür gutes Geld bezahlte. Haydn hat hier geschickt die gesetzlichen Grauzonen ausgenutzt – damals gab es noch kein musikalisches Urheberrecht, was ihm oft genug auch Nachteile gebracht hatte. Zugegeben: mit dem Klischee des gütigen, rechtschaffenen Haydn verträgt sich diese Gewitztheit in finanziellen Dingen nicht so recht. Seine Musik indessen ist darüber erhaben.

Petra Müllejans
Das "Barock" im Namen des Freiburger Barockorchester Orchesters ist mehr als nur eine Epochenbezeichnung: Es steht für die aufführungspraktische Perspektive der Musiker und für ihren Spaß am Musikantischen, an einem kultivierten und zugleich virtuosen Ensemblespiel. Mit diesem musikalischen Selbstverständnis hat das Freiburger Barockorchester die bekanntesten Konzertsäle der Welt erobert. Aus der barocken Perspektive klingt gerade die Musik des 18. und 19. Jahrhunderts jung und modern und keineswegs nach Alter Musik, sondern so unmittelbar, als wäre die Tinte auf den Notenblättern noch feucht.
Unter der künstlerischen Leitung seiner beiden Konzertmeister Gottfried von der Goltz und Petra Müllejans oder unter der Stabführung ausgewählter Dirigenten präsentiert sich das FBO mit rund einhundert Auftritten pro Jahr in unterschiedlichen Besetzungen vom Kammer- bis zum Opernorchester: ein selbstverwaltetes Ensemble mit eigenen Abonnementkonzerten im Freiburger Konzerthaus, in der Stuttgarter Liederhalle und der Berliner Philharmonie und mit Tourneen in der ganzen Welt.
Doris Blaich
Letzte Änderung am: 15.06.2011, 08.48 Uhr