Seite vorlesen:
Franz Schubert: Klaviersonate A-Dur D 959
Der Pianist Michael Korstick ist ein gern gesehener Gast beim SWR. Die CDs, die er in unseren Studios produziert, ernten regelmäßig Preise und Begeisterung. In unserem Musikstück der Woche spielt er live - im Asamsaal des Ettlinger Schlosses. Ein Mitschnitt vom März 2010.
Franz Schubert: Sonate für Klavier A-Dur D 959 Allegro, Andantino, Scherzo. Allegro vivace – Trio. Un poco più lento, Rondo. Allegretto
Die hohe Opuszahl verrät es: Bei der Sonate A-Dur D 959 handelt es sich um eine der drei späten Klaviersonaten von Franz Schubert. Im September seines Todesjahres 1828 komponierte Schubert diese Werke, die wie eine Zusammenfassung dessen wirken, was Schubert als gut und richtig empfand. Beim Zuhören kann man Robert Schumann zustimmen, dem diese späten Klaviersonaten „auffallend anders als seine anderen, namentlich durch eine viel größere Einfalt der Erfindung, durch ein freiwilliges Resignieren auf glänzende Neuheit“ schienen.

Franz Schubert
Die A-Dur-Sonate zeichnet eine große Lebensfreude aus. Sanglich – liedhaft – klingt sie nach dem wuchtigen Akkordbeginn. Melancholisch und leidenschaftlich im zweiten Satz, für den Schubert eine seiner schönsten Liedweisen erfand. Die schlichte Schönheit des Themas in diesem Andantino verstärkte Schubert, indem er sie nur von einer Stimme völlig unprätentiös begleiten lässt. Der Ländler im Scherzo gehört rhythmisch in die Biedermeier-Welt, in der wir heute Schubert sehen, mit seinen kontrapunktischen Raffinessen und satztechnischen Effekten für die linke Hand aber auch in jene Trickkiste, aus der Schubert seine ebenso einfache wie erstaunliche Wirkung erzielt. Den Schluss der Sonate bildet ein Rondosatz; dass er mit einem Selbstzitat beginnt, täuscht nicht darüber hinweg, dass daraus ein an Einfällen und Abwandlungen schier ausuferndes Finale erwächst.
Michael Korstick, geboren 1955 in Köln, erhielt mit neun Jahren ersten Klavierunterricht. Nach seinem Studium bei Jürgen Tröster (Köln) und Hans Leygraf (Hannover) sowie an der Juilliard School bei Sascha Gorodnitzki errang er zahlreiche Auszeichnungen unter anderem beim Beethoven-Wettbewerb Wien, Reine Sofia-Wettbewerb Madrid, Tschaikowsky-Wettbewerb Moskau und Internationalen Musikwettbewerb Montréal. Bereits seine Kommilitonen an der New Yorker Juilliard School nannten Korstick "Dr. Beethoven", und längst sind sich auch Kenner der Musikwelt einig: Dieser Künstler zählt zu den bedeutendsten deutschen Pianisten, die mit ihren Interpretationen Maßstäbe setzen.
Als charakteristische Eigenschaft seines Spiels wird von der Kritik immer wieder die erstaunliche Balance zwischen brillanter Virtuosität und musikalischer Verinnerlichung im Spannungsfeld einer sehr ausgeprägten Persönlichkeit und kompromissloser Werktreue hervorgehoben. Erst im Alter von 43 Jahren, nach 20 erfolgreichen Konzert-Spielzeiten, erschienen seine ersten CDs – und machten prompt Furore. 2004 wurde seine bahnbrechende Interpretation von Beethovens "Hammerklaviersonate" op.106 veröffentlicht und rückte Korstick endgültig ins Bewusstsein eines breiten Publikums. Einstimmig wertete die Fachpresse diese Interpretation als Sensation, und ein gewaltiges Medienecho war die Folge (Süddeutsche Zeitung: "Ein Glücksfall", ZEIT: "grandios ... ein spektakulärer Beethoveninterpret"). Wenig später traf seine Aufnahme von Schuberts großer B-Dur-Sonate auf ähnliche Zustimmung und wurde mit dem "Echo Klassik 2005" als solistische Einspielung des Jahres ausgezeichnet.
2005 begann Korstick eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Schallplattenlabel OehmsClassics, für das er zunächst einen kompletten Beethoven-Zyklus einspielte. Die erste Veröffentlichung in dieser Reihe, die Diabelli-Variationen des Bonner Meisters, wurde von der Fachwelt wiederum als maßstabsetzend begrüßt und mit dem „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ ausgezeichnet. Joachim Kaiser kürte sie in der Süddeutschen Zeitung zur "Entdeckung des Jahres". Auch die Aufnahmen, die Michael Korstick im Kammermusik-Studio des SWR einspielt (bislang u.a. Klavierwerke von Mendelssohn und von Charles Koechlin), werden regelmäßig mit Preisen ausgezeichnet.
Kerstin Unseld
Letzte Änderung am: 14.01.2011, 10.32 Uhr