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Frédéric Chopin: 2 Nocturnes op. 27
Frédéric Chopin erreicht mit seinen zwei Schwesterwerken Opus 27 den Höhepunkt der Gattung Nocturne. Tiefer Schmerz, brennende Leidenschaft und zarte Träume liegen darin dicht beieinander. In unserem „Musikstück der Woche“ - zu Chopins Geburtstag am 1. März - spielt der Pianist Bernd Glemser. Der Live-Mitschnitt stammt aus der SWR-Reihe „Internationale Pianisten“ 2008/09, aufgenommen im Frankfurter Hof in Mainz.
Frédéric Chopin:
2 Nocturnes für Klavier op. 27
Nr. 1: cis-Moll. Larghetto
Nr. 2: Des-Dur. Lento sostenuto
Paris in einer lauen Sommernacht. Die nächtliche Uferpromenade der Seine ist von Straßenlaternen matt erleuchtet. Im Wasser spiegelt sich sanftes Mondlicht. Langsam nähert sich ein Spaziergänger, bleibt an der Brüstung stehen und schaut hinunter auf die sich kräuselnden Wellen. Er denkt zurück an die Sommer der vergangenen Jahre: Wie es war, das Spiel des Mondlichts zu zweit zu beobachten, gemeinsam die Stille der Nacht zu atmen.
Eine solche Stimmung, das dichte Nebeneinander von klagendem Moll und versöhnlichem Dur, komponiert Frédéric Chopin in seinen beiden Nocturnes im Jahr 1834/35 in Paris. Auf die Idee, sich der Nocturne als musikalische Gattung zu widmen, bringt ihn John Field, ein irischer Komponist und Pianist. Er gilt als Erfinder der Nocturne, einem Charakterstück für Klavier mit ruhiger Melodie und fließender Akkordbegleitung. Chopin und Field treffen sich das erste Mal 1832 in Paris. Sonderlich geglückt scheint diese Begegnung nicht zu sein. Fields knappes Urteil über Chopin: „un talent de chambre de malade“ – „ein Talent aus dem Krankenzimmer“. Wobei er mit „chambre de malade“ wahrscheinlich eher „Irrenhaus“ meint...
Trotzdem lässt sich Chopin, der erst im Vorjahr nach Paris gezogen ist, von Fields Kompositionen inspirieren. Insgesamt schreibt Chopin 21 Nocturnes. Es gelingt ihm, der Gattung, die bisher als sentimentales, wenn nicht leicht kitschiges „Nachtstück“ gilt, ganz neue Facetten hinzuzufügen. Sein Opus 27 sprüht nur so vor Ausdruck: Im ersten Nocturne (cis-Moll) schraubt sich eine schmerzhafte Kantilene qualvoll nach oben. Unerwartet wird eine Mazurka angedeutet. Das zweite Nocture (Des-Dur) lebt von seinem Wechsel aus leuchtenden Harmonien und weichen Kantilenen. Die beiden Nocturnes reflektieren die ganze musikalische Gefühlspalette – wie das Wasser der Seine das schimmernde Mondlicht.
Bernd Glemser war selbst noch Student an der Freiburger Musikhochschule, als er 1989 zum damals jüngsten Klavierprofessor Deutschlands berufen wurde – dafür musste er sich aber erst einmal exmatrikulieren. Zuvor hatte er bei Klavierwettbewerben auf der ganzen Welt Erfolge gefeiert und 17 Wettbewerbe in Folge gewonnen, darunter den Busoni-, den Tschaikowsky- und den ARD-Musikwettbewerb. Von den Preisgeldern konnte er sich seinen ersten Flügel kaufen.
Mittlerweile konzertiert Bernd Glemser in aller Welt. 1996 war er der erste Künstler aus dem Westen, der live im chinesischen Fernsehen spielte. Seine bisher 30 CD-Aufnahmen erhielten fast ausnahmslos Auszeichnungen von der Fachpresse. Dazu gesellen sich viele weitere Ehrungen, wie der Europäische Pianisten-Preis, den Bernd Glemser 1993 in Zürich erhielt, der Kunstpreis der Stadt Würzburg (2006) und das Bundesverdienstkreuz (2003).
Übrigens stammt Bernd Glemser aus dem Sendegebiet des SWR: von der Schwäbischen Alb. Als Junge ist er oft mit den Skiern zur Klavierstunde gefahren …
Antonia Bruns
Letzte Änderung am: 28.01.2010, 11.01 Uhr
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