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Johannes Brahms: 3 Volkslieder für Chor a cappella
Wer gerne singt, ist bei unserem Musikstück der Woche genau richtig: drei Volkslieder von Johannes Brahms mit dem SWR Vokalensemble. Link zum Gratis-Noten-Download inklusive. (Wer lieber zuhört, ist hier ebenso richtig, denn es ist schlicht wunderschön, wie Brahms Melodie und Harmonie zusammenfügt). In unserem Live-Mitschnitt vom März 2009 dirigiert Marcus Creed.

Johannes Brahms: 3 Volkslieder für Chor a cappella WoO 34
1. Von edler Art
2. Täublein weiß
3. Vom heiligen Märtyrer Emmerano
Aus der Sammlung "14 deutsche Volkslieder".
Der Sammeleifer und Wissensdurst von Brahms beschränkte sich nicht nur auf Musikalien der ernsten Musik. Genauso aufmerksam begutachtete er, was mit Volkes Liedgut geschah. Noch in den neunziger Jahren (da war er Anfang 60) beklagte er, dass das Volk nur noch Gassenhauer sänge. Diesen Zustand wollte er ändern helfen, ganz im Sinne der überzeitlichen Qualitätskriterien, mit denen er auch die Werke alter Meister beurteilte. Gassenhauer hatten da keinen Platz. So eiferte Brahms über die Neuausgabe des „Deutschen Liederhortes“, einer Volksliedsammlung, die ihm gründlich missfiel: „Könnten Sie danach Jemandem (und gar fremder Nation) auch nur den geringsten Begriff von unserem Volkslied geben? Ist es denn in der Wissenschaft gar nöthig, dass man (…) jeden Dreck von der Landstraße so breit tritt?“
Brahms ließ Taten folgen: Als Gegenentwurf veröffentlichte er im selben Jahr seine 49 Deutschen Volkslieder für Singstimme mit Klavierbegleitung. Er schrieb darüber in einem Brief: „Ich zeige solche Gedichte und Melodien, die mir schön und gut erscheinen und seit längerer Zeit lieb und wert sind.“ Die Sammlung enthält Klassiker wie "Da unten im Tale", "Schwesterlein, wann gehn wir nach Haus" oder "In stiller Nacht".
Im selben Jahr erschienen auch Brahms' 14 Volkslieder für gemischten Chor im Druck. Sie sind der Wiener Singakademie gewidmet. Die vierstimmigen Chorsätze zeigen eine große Einfühlsamkeit in den Ausdrucksgehalt der Melodien. Die Begleitung reicht vom homophonen Satz bis hin zur rhythmischen Charakterisierung. Brahms bedient sich dabei stets einer behutsamen Harmonisierung, die sich ganz auf die Ausdeutung der Atmosphäre konzentriert, die in den überlieferten Texten und Melodien steckt.
Die Geschichte des SWR Vokalensembles Stuttgart spiegelt in einzigartiger Weise die Kompositionsgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts wieder. Auf Beschluss der Alliierten und im Zuge von Demokratisierungsmaßnahmen wurden 1946 Rundfunkanstalten und Ensembles gegründet, darunter auch der damalige Südfunkchor. Ihm kam die Aufgabe zu, das Schallarchiv mit Musik aller Arten und für jegliche Anlässe zu versorgen. Mit dem Dirigenten Hermann Joseph Dahmen, der den Chor von 1951 bis 1975 leitete, begann die Zeit der allmählichen Spezialisierung auf Neue Musik. Von 1953 an vergab der Chor regelmäßig Kompositionsaufträge.
Zu internationaler Reputation als Ensemble für Neue Musik gelangte das SWR Vokalensemble mit seinen späteren Chefdirigenten Marinus Voorberg, Klaus-Martin Ziegler und mit Rupert Huber. Schon Voorberg, insbesondere aber Huber formte den typischen Klang des SWR Vokalensembles, geprägt von schlanker, gerader Stimmgebung. Viele der mehr als 200 Uraufführungen, die in der Chronik des SWR Vokalensembles verzeichnet sind, hat er dirigiert. Auf diesem Niveau konnte Marcus Creed aufbauen, als er 2003 die Position des Chefdirigenten übernahm. Dem Ensemble ging zu diesem Zeitpunkt bei Fachpresse und Publikum längst der Ruf voraus, in konstruktiver Offenheit mit den Schwierigkeiten zeitgenössischer Partituren umzugehen.
In seinen ersten Stuttgarter Jahren legte Creed, der als einer der profiliertesten Dirigenten internationaler Profichöre gilt, seine Arbeitsschwerpunkte deshalb auf das Vokalwerk von György Ligeti, Luigi Dallapiccola und Luigi Nono. Darüber hinaus setzte er die Reihe der Uraufführungen fort. Intensiviert wurde vor allem die Zusammenarbeit mit Georges Aperghis, Heinz Holliger und György Kurtág. Die Studioproduktion des SWR Vokalensembles Stuttgart erscheinen zu einem großen Teil auf CD und werden regelmäßig mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Preis der Deutschen Schallplattenkritik, der Grand Prix du Disque und der Midem Classical Award.
Dorothea Bossert, Doris Blaich
Letzte Änderung am: 28.04.2011, 17.31 Uhr