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Klavierspielend und komponierend profilierte sich der junge Beethoven mit großer dramatischer Geste in der Wiener Gesellschaft des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
Herbert Schuch trat mit Beethovens früher c-Moll-Sonate am 31.10.2008 im Rahmen der Konzertreihe "Internationale Pianisten in Mainz" im Frankfurter Hof auf.
Ludwig van Beethoven: Sonate für Klavier c-Moll, op. 10 Nr. 1 Allegro molto e con brio, Adagio molto, Finale. Prestissimo
Gräfin Anna Margarete von Browne geborene Vietinghoff-Scheel kann sich glücklich schätzen: Sie war nicht nur die Frau eines großzügigen Gönners und irischen Brigardiers in kaiserlich russischen Diensten, sondern sie ist auch die Widmungsträgerin einer der meistgespielten Beethoven-Sonaten. Sie lud als Dame der feinen Wiener Gesellschaft den jungen Pianist und Komponist Ludwig van Beethoven häufig in ihr Haus, und der knapp 30-jährige aufstrebende Künstler verehrte ihr seine drei zwischen 1796 und 1798 geschriebenen Klaviersonaten op. 10. Die erste dieser Sonaten steht in der Tonart c-Moll, die schon bald als die "pathetische" Tonart noch eine große Bedeutung in Beethovens Schaffen einnehmen sollte. Denn nachdem Beethoven im September 1798 sein Opus 10 veröffentlicht hatte, folgte ein gutes Jahr später seine "Grande Sonate pathétique" als Einzelstück unter der Opuszahl 13, auch hier taucht die Tonart c-Moll auf und hier wird sie dann auch konkret als "Pathétique" bezeichnet.
Die Paralelle zwischen den frühen c-Moll-Sonaten fallen nicht nur beim Tonartenvergleich auf, sondern auch inhaltlich sind sie eng aufeinander bezogen. Der Schlusssatz von Op. 2 Nr. 1 entpuppt sich außerdem sofort als Sturm-und-Drang-Stück, ein exzentrisches Finale, das schließlich in einem fast gewalttätigen Höhepunkt gipfelt, der das - ebenfalls in c-Moll komponierte - Hauptthemas der 5. Sinfonie ahnen lässt. Übrigens: Op. 10 Nr. 1 ist Beethovens 5. Sonate...

Pianist Herbert Schuch
Herbert Schuch wurde 1979 in Temeschvar, Rumänien geboren und erhielt dort seinen ersten Klavierunterricht bei Maria Bodo. Kurz vor dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes übersiedelte die Familie nach Deutschland. Dort studierte er zunächst bei Kurt Hantsch in Rosenheim, ehe er – zwölfjährig – ans Salzburger Mozarteum in die Klasse von Karl-Heinz Kämmerling aufgenommen wurde.
2004/2005 wurde Herbert Schuch beim Casagrande-Klavierwettbewerb in Terni, beim London International Piano Competition, sowie dem Internationalen Beethoven-Klavierwettbewerb in Wien jeweils mit einem 1. Preis ausgezeichnet. Daran anschließend debütierte er im Wiener Musikverein unter der Leitung von Pierre Boulez mit Beethovens 5. Klavierkonzert.
Seither arbeitete er u.a. mit Orchestern wie dem RSO Frankfurt, der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken/Kaiserslautern, dem London Philharmonic Orchestra, der Camerata Salzburg, der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, dem Orchestre National de Lyon und ist regelmäßig Gast bei Festspielen wie dem Rheingau Musik Festival, dem Kissinger Sommer, oder dem Klavier-Festival Ruhr.
Sein Interesse für Kammermusik - geweckt durch eigenes Geigenspiel zur Kinderzeit – teilt er mit Musikern wie Adrian Brendel, Mirijam Contzen, Julia Fischer, Marie-Elisabeth Hecker, Sebastian Klinger, Alina Pogostkin, Martin Spangenberg.
In jüngster Zeit erfährt Herbert Schuch in besonderer Weise Prägung in der Begegnung und Arbeit mit Alfred Brendel.
2005 erschien seine Debüt-CD mit Werken von Schumann und Ravel beim Label OehmsClassics.
Ab März 2009 ist Herbert Schuchs dritte CD-Produktion mit "Nachtstücken" im Handel.
Herbert Schuch engagiert sich neben seiner Konzerttätigkeit in der von Lars Vogt gegründeten Organisation "Rhapsody in School", welche sich für die Vermittlung von Klassik in Schulen einsetzt. Dem von Yehudin Menuhin gegründete Verein "Live Music Now" gehörte er zwischen 1996 und 2006 an.
"Im Adagio von Beethovens Sonate zeigt sich Schuchs Fähigkeit, die Zuhörer durch die Transparenz seines Spiels an die Musik zu fesseln. Er nimmt sich Zeit, behandelt jeden Ton, als wäre er ein kleiner, geheimnisvoller Kosmos im Gesamtgefüge. Spätestens jetzt offenbart Schuch, dass er nicht lediglich einen angenehmen Abend mit klassischer Musik bieten will. Er lädt zu einer Suche nach der mysteriösen Innenwelt von Musik und Komponisten ein. Er haucht der oft statischen und kommerziellen Klassikwelt neues Leben ein." Rhein-Zeitung am 3. November 2008 über Herbert Schuchs Interpretation von Beethovens Sonate c-moll op. 10,1.
Kerstin Unseld
Letzte Änderung am: 13.01.2010, 14.54 Uhr