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Béla Bartók, zeitlebens mit dem Sammeln von Volksmusiken beschäftigt, brachte klingende Souveniers von seinen Reisen auch in sein zweites Streichquartett ein.
Das Kuss Quartett gastierte mit dem Streichquartett Nr. 2 op. 17 bei seinem Ettlinger Kammerkonzert am 27.11.2009.

Kuss Quartett: Jana Kuss und Oliver Wille (Violinen), William Coleman (Viola), Felix Nickel (Violoncello)
Béla Bartók: Streichquartett Nr. 2 op. 17 SZ 67 Moderato, Allegro molto capriccioso, Lento
Zwischen den ersten beiden Streichquartetten von Béla Bartók liegen fast zehn Jahre und in diesem Jahrzehnt auch eine ganze Welt. Denn nach dem Jugendwerk von 1909 sammelte Bartók auf zahlreichen Reisen viele musikalische Eindrücke und entwickelte einen eigenen Stil, der sich brennpunktartig dann im zweiten Streichquartett niederschlug. Zoltán Kodály bezeichnete das zwischen 1915 und 1917 entstandene Streichquartett Nr. 2 op. 17 SZ 67 übrigens als "Episoden" und die drei Sätze mit "Ruhiges Leben - Freude - Leid", was auf autobiographische Bezüge des Werkes hinweist. Während der erste Satz ein Hauptthema hat, das der später komponierten ersten Violinsonate ähnelt, schlagen sich im zweiten Satz tänzerische, wilde Rhythmen und Klänge nieder, die Bartóks Höreindrücke von seiner Nordafrika-Reise zur Erforschung und Sammlung von Volksliedern 1913 geprägt zu haben scheinen. Formal überlagern sich in diesem Allegro molto capriccioso zudem zwei Techniken, nämlich die eines Variationssatzes und eines Rondos. Während dieser Mittelsatz auf den Ton D zentriert ist und mit seinen Reminiszenz der Nordafrika-Reise auch recht überschwänglich wirkt, trägt der Schlusssatz eine Art Klagegesang vor, der volksliedhaft und düster wirkt. Die Ecksätze sind "in sehr vagem a-moll" gehalten, wie der Bartok-Forscher Paul Griffiths schrieb.
Experimentierfreude in viele Richtungen könnte man dem Ensemble auf dem Weg zur Weltkarriere attestieren: Die sogenannte "klassische" Streichquartett-Literatur musiziert das Kuss Quartett mit dem Bewusstsein dafür, dass ein großer Teil dieser Werke seinerzeit keineswegs als "klassisch" galt, sondern als avantgardistische Musik diskutiert wurde. "Jeder Klang, jede Phrase, jede Neugestaltung einer Wiederholung schien entstaubt, befragt und genussreich aufpoliert..." befand die Frankfurter Allgemeine – Musik der Vergangenheit als unmittelbar ansprechende Gegenwart. Sein Repertoire beginnt in der Renaissance und dem Barock mit Transkriptionen von Vokalsätzen Orlando di Lassos, John Dowlands bzw. Johann Sebastian Bachs "Kunst der Fuge" und endet in der Gegenwart: Mit György Kurtág und Helmut Lachenmann studierte das Kuss Quartett deren Werke ein, arbeitet mit jungen Komponisten und hält Workshops an der Hamburger Musikhochschule – in der Kompositionsklasse.
Vielfältig wie das Repertoire ist auch die Präsentation der Musik: Das Kuss Quartett verbindet Ton mit Wort, sei es in Form moderierter Konzerte, sei es ausführlicher in Gesprächskonzerten, oder bei ihrer "Explica"-Reihe mit Themenkonzerten in der Hamburger Laeiszhalle.
CDs mit Werken von Schönberg und Adorno, Mozart und Mendelssohn sowie Haydn wurden auch in der Fachpresse mit viel Lob bedacht: …souveräne Technik, formidable Transparenz der Stimmführungen, ein intelligent geschulter, im Kern fülliger, in den Details aber stets brillant präsenter Klang und Tonfall…Klang wird Erlebnis. Exklusiv unter Vertrag bei Sony BMG erschien zuletzt die Aufnahme "Bridges - Renaissance trifft Moderne" und gibt mit Werken von Bennett, Dowland, di Lasso sowie Adés, Kurtág und Strawinsky Einblick in die Programme des Kuss Quartetts.
Das Berliner Kuss Quartett wurde 2002 vom Deutschen Musikrat und beim Borciani-Wettbewerb mit ersten Preisen ausgezeichnet. 2003 wählte die European Concert Hall Organization das Quartett für das Programm "Rising Stars".
Kerstin Unseld
Letzte Änderung am: 22.02.2011, 10.59 Uhr