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Musikstück der Woche vom 27.12.2010 bis 2.1.2011 Gemüths-Ergoetzung

Sie waren die Sensation seiner Zeit: Die Partiten von Johann Sebastian Bach, seine ersten Werke für Klavier.

Über sie hieß es damals, man habe "noch nie so vortreffliche Clavierkompositionen gesehen und gehört". Beim Bruchsaler Schlosskonzert vom 4.10.2009 spielte David Theodor Schmidt diese "vortreffliche" Partita c-Moll BWV 826 von Bach - und zwar vortrefflich.

Johann Sebastian Bach: Partita für Klavier Nr. 2 c-moll BWV 826 Sinfonia. Grave Adagio – Andante, Allemande, Courante, Sarabande, Rondeaux, Capriccio

Bachs Lehrwerk für Liebhaber

Ausdrücklich forderte Johann Sebastian Bach, dass seine "Clavier-Übungen", deren erster Band die Partiten BWV 825 - 830 enthalten, den Liebhabern des Klavierspiels zur "Gemüths-Ergoetzung" gereichten. Technisch und musikalisch sollten sich hier klavierspielende Laien zuhause an einem Lehrwerk schulen, das Geschichte geschrieben hat. Denn nie zuvor gab es in der solche anspruchsvolle wie solistische Musik für ein Tasteninstrument und er schuf damit etwas völlig Neues.

Als Bach mit seinem ersten gedruckten Werk 1726 in die Öffentlichkeit trat, war er 'schon' 41 Jahre alt. Gestochen und gedruckt wurde zunächst die erste Partita BWV 825. Alljährlich kam bis 1731 dann eine weitere Partita heraus - und insgesamt fasste Bach die Partiten 1731 schließlich unter dem Titel "Clavier Übung" als sein Opus 1 zusammen.

In alle Partiten greift Bach die Suite-Form auf, eine in Europa weit verbreitet und vor allem reich bedachte Kompositionsform. Bach schuf hier auf der Grundlage dieser Tradition einen Höhe- und gleichzeitig einen Schlußpunkt. Nie zuvor sind Suiten in solche Intensität und kreativem Reichtum behandelt worden. Die zweite Partita BWV 826 nimmt unter den übrigen eine Sonderstellung ein: sie ist als einzige mit sechs Sätzen ausgestattet. Die üblichen Suite-Sätzen Allemande-Courante-Sarabande-Gigue erweitert bzw. ersetzte Bach mit einer festlichen Sinfonie und schließlich mit einem Rondeaux und Capriccio. In diesen beiden Schlusssätzen entfernte sich Bach besonders weit vom Prototyp dieser Tänze und 'veredelte' sie, indem er aus ihnen Charaktersätze formte.

"Dieses Werk machte zu seiner Zeit in der musikalischen Welt großes Aufsehen; man hatte noch nie so vortreffliche Clavierkompositionen gesehen und gehört." (Nikolalus Forkel)


David Theodor Schmidt

Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet ihn als den "neuen Schwarm aller Klavierbegeisterten", die Financial Times Deutschland nennt sein Spiel ein "Klangerlebnis" und das Fachmagazin Rondo urteilt kurz und bündig: „Meisterlich. Packend, ja, ergreifend. Großartig.“: Der deutsche Pianist David Theodor Schmidt, Jahrgang 1982, gehört zu den Musikern der jungen Generation, die bereits große Anerkennung in der Musikwelt genießen.

Geboren in Erlangen, entdeckte Schmidt erst mit 15 Jahren das Klavierspiel für sich, studierte schließlich in Karlsruhe bei Sontraud Speidel und später am Royal College of Music London bei Kevin Kenner. Er ist Preisträger und Stipendiat bedeutender Organisationen, wie des DAAD, der Zeit-Stiftung (in der deutschen Stiftung Musikleben) und der Chopin Gesellschaft Hannover. Im November 2009 wurde ihm zudem der renommierte Bayerische Kunstförderpreis des Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst verliehen.

"Auch dies: meisterlich. Virtuos. Gewaltig. Und, fast hätten wir’s vergessen: packend, ja, ergreifend. Großartig." (Rondo)

Schmidt geht einer regen Konzerttätigkeit nach, die zu Einladungen zu Rezitals wie auch Orchesterkonzerten in bedeutende Säle in Deutschland und dem europäischen Ausland führte. Seine Auftritte werden von der Presse enthusiastisch aufgenommen, so hebt  beispielsweise die Zeitung Molwa (Russland) "seine hohe Kultur als Pianist, seine Reife, seine glänzende Technik und Vielfalt pianistischer Ausdrucksmöglichkeiten" hervor.

Neben Rundfunk- und Fernsehaufnahmen erregten die CDs des jungen Pianisten besondere Aufmerksamkeit. Auf ihnen setzt sich David Theodor Schmidt mit den Werken Bachs und der deutsch-österreichischen Romantik auseinander, die neben der Wiener Klassik die Schwerpunkte seines Repertoires ausmachen. Die Aufnahmen wurden in Presse und Rundfunk im In- und Ausland hoch gelobt; u.a. zeichnete das Fachmagazin Fono Forum seine letzte CD mit Werken von Mendelssohn, Schubert und Brahms mit dem Stern des Monats aus.

Kerstin Unseld

Letzte Änderung am: 29.11.2010, 14.27 Uhr

Sendezeit Montags ab 13.05 Uhr

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