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Im Rahmen des Luzern Festivals 2001 gastierte das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg mit Haydns Sinfonie Nr. 82 C-Dur "L'ours".
Was Joseph Haydn am Hofe der Fürsten Esterházy jahrelang nicht zur Verfügung stand, fand er in Paris vor: Ein großes, vollbesetztes Sinfonieorchester. Die sechs "Pariser Sinfonie", unter ihnen Nr. 82, bilden daher auch den ersten Höhepunkt im Schaffen des Sinfonikers Haydn. Sylvain Cambreling dirigierte diese Sinfonie am 9.9.2001 im Kultur und Kongresszentrum Luzern.
Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 82 C-dur, Hob I:82. "L'ours" Vivace assai, Allegretto, Menuetto – Trio, Finale. Vivace assai
Die Konzerte „Le Concert de la Loge Olympique“ waren im Pariser Musikleben des späten 18. Jahrhunderts ‘Kult’, vor allem waren sie ein öffentlicher und nicht mehr nur adliger Kult. In den Genuss dieser Konzerte kamen die Mitglieder der „Olympique“, einer Freimaurerloge mit Sitz im Palais Royal, die am Vorabend der Französischen Revolution eine geistig-künstlerische Vorreiterrolle einnahm. In himmelblauen Fracks mit eleganten Spitzentressen, die Degen an der Seite spielten bis zu vierzig Violinisten und zehn Kontrabassisten. Die Holzbläser waren in der Regel vierfach besetzt und das ganze Orchester bestand aus bis zu 70 Musikern. Es war damit das Größte seiner Zeit und wurde von Joseph Boulogne Chevalier de Saint-George geleitet. Der Chevalier seinerseits war ebenfalls ‚Kult’: Geboren in der Karibik, wirkte er in Paris schließlich als Geigenvirtuose, Komponist und Dirigent, war aber als Fechter ebenso berühmt wie als Reiter in der Garde König Ludwigs XVI. - und als Frauenheld.
Auf Anregung von Chevalier de Saint-George schrieb Joseph Haydn zwischen 1785 und 1786 seine sechs "Pariser Symphonien" (Nr. 82 bis 87), eine ebenso ehrenvolle Aufgabe wie große Gelegenheit. Für dieses groß besetzte und überaus leistungsstarke "Olympique"-Orchester konnte Haydn aus dem Vollen schöpfen. Der – von Haydn übrigens nicht autorisierte - Beinamen der Sinfonie Nr. 82 "Der Bär" leitet sich aus dem Final-Satz ab. Er bezieht sich auf den tapsig-dröhnenden "Dudelsack-Baß", der das Finale prägt. Haydn ließ sich dazu angeblich beim Blick auf einen Tanzbären anregen, der zu Dudelsack-Melodien auf der Straße tanzte. Die Sinfonie Nr. 82 ist die kraftvollste von Haydns Pariser Sinfonien. Sie ist besonders temporeich und enthält keinen langsamen Satz. An der Stelle eines 'beschaulicheren' Andantes steht ein eher flinkes Allegretto in Form einer Doppelvariation. Das Menuett entspricht ganz französischem Geschmack und erinnert mit seinem imperialen Charakter an barocke Festmusiken des Königshofs.

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg
Die Geschichte des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg reicht in das Jahr 1946 zurück. Sie ist geprägt von unroutiniertem Umgang mit der Tradition, Aufgeschlossenheit für das Neue und Ungewöhnliche: Tugenden, über die auch Chefdirigent Sylvain Cambreling in ungewöhnlichem Maße verfügt, der seit 1999 mit dem Orchester arbeitet. Er bildet, zusammen mit seinem Vorgänger Michael Gielen und Hans Zender als ständigen Gastdirigenten, ein Triumvirat, wie es in der internationalen Orchesterlandschaft beispiellos ist.
Dass man mit hohen Ansprüchen Erfolg haben kann, beweist das Orchester bis heute. Mehr als 300 von ihm eingespielte Kompositionen sind auf CD erschienen, und es reist seit 1949 als musikalischer Botschafter durch die Welt. Zahlreiche Gastspiele verzeichnet die Orchesterchronik, darunter regelmäßig zum Festival d’Automne Paris, den Salzburger Festspielen, nach Wien, Berlin und Edinburgh, Brüssel, Luzern, Strasbourg, Frankfurt...
1999 spielte das Orchester in der New Yorker Carnegie Hall u.a. die amerikanische Erstaufführung von Bernd Alois Zimmermanns "Requiem für einen jungen Dichter". Viel beachtete Großprojekte fanden in den letzten Jahren unter anderem bei den Salzburger Festspielen, bei der 1. RUHRtriennale und in der Kulturhauptstadt Europas Graz statt. 2005/06 wurden - neben dem orchestereigenen 60. Geburtstag - sowohl Mozarts 250. als auch Helmut Lachenmanns 70. Geburtstag in etwa einem Dutzend Konzerten zwischen Wien und Paris, Brüssel und Berlin gefeiert.
Ungewöhnliche Konzert-Konzepte unterstreichen das besondere Profil des Orchesters: So etwa die Verschränkung von Haydns "Sieben letzten Worten" in einer den Raum einbeziehenden Bearbeitung von Sylvain Cambreling mit Messiaens "Et exspecto resurrectionem mortuorum" und literarisch-theologischen Betrachtungen von Martin Mosebach, oder eine "Hommage à Mozart" gemeinsam mit dem Freiburger Barockorchester.
Kerstin Unseld
Letzte Änderung am: 13.05.2009, 10.14 Uhr