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Ob Mannheimer Schule oder oberschwäbische Klostermusik, ob Geburtsorte oder Reiseziele berühmter Komponisten - der Südwesten Deutschlands ist reich an Musikgeschichte
Erlebte Musik(-geschichte) ist immer ein Teil der eigenen Geschichte. Geburtsorte von Komponisten garantieren ein lebendiges Erinnern an Menschen und Werke, Wirkungsorte berühmter Musiker ebenso. Orchester und Opernhäuser pflegen Traditionen und schaffen Neues. Musik aber hat keinen Platz in einem Museum, sie erhält sich durch Aufführungen lebendig. SWR2 stellt interessante MusikOrte im Sendegebiet vor - berühmte Plätze und auch solche, in denen eher unbekannte Kapitel Musikgeschichte geschrieben wurden.
Einen MusikOrt etwa wie Heidelberg, an dem der junge Chemiker Alexander Borodin zwar nichts komponierte aber Cello spielend die Liebe seines Lebens fand. Oder ein MusikOrt wie die Insel Nonnenwerth, die sich Franz Liszt zum abgeschiedenen Ruheort wählte und die entgegen seines Wunsches im Sommer 1841 doch zum quirligen MusikOrt für alle Liszt-Fans und Freunde wurde. 'Verwurzelt' im wahrsten Wortsinne ist Liszt auf Nonnenwerth, wo er an seinem 30. Geburtstag eine Platane pflanzte, die bis heute die Insel überragt.
Musikalische 'Wurzeln' haben zahlreiche Musiker und Komponisten zwischen Rhein und Bodensee gehabt oder geschlagen: Die Erinnerung an berühmte Gäste wie Wolfgang Amadeus Mozart & Co. in Mannheim, Felix Mendelssohn aus seiner Hochzeitsreise am Rhein und im Breisgau, Fritz Busch in Stuttgart und viele viele andere belebt bis heute diese an MusikOrten reiche Region im deutschen Südwesten.
Der Geburtsort Hermann Hesses ist die kleine Schwarzwälder Handelsstadt Calw an der Nagold. Hier erlebte er als Kind zum ersten Mal eine Aufführung der Matthäus-Passion, welche unter Mitwirkung seiner Geschwister und Angehörigen in der Calwer Kirche ihn so gewaltig beeindruckte, dass er noch 1961 in einem Brief schrieb: "Ich habe die Matthäus-Passion mit etwa elf Jahren zum ersten Mal gehört und dann durch die Jahre und Jahrzehnte mit wenigen Ausnahmen jedes Jahr eine der beiden Passionen wiedergehört, und was ich daran habe und wie jedes Wieder-Hören und Wieder-Erleben alle früheren Male und alle Stationen meines Lebens in mir aufruft, das können Sie nicht nachfühlen."
Allein in Baden-Württemberg beispielsweise engagieren sich 800.000 Menschen in Musikvereinen - und pflegen und leben damit Musikgeschichte in der Region, wie etwa der Kreutzerchor im kleinen oberschwäbischen Städtchen Meßkirch, der seinen Namen nach dem komponierenden 'Sohn' der Stadt, Conradin Kreutzer, trägt.
Was wäre unser Leben ohne Musik! Es brauchen ja gar nicht Konzerte zu sein. Es genügt in tausend Fällen ein Tippen am Klavier, ein dankbares Pfeifen, Singen oder Summen oder auch nur das stumme Sicherinnern an unvergessliche Takte. Wenn man mir, oder jedem halbwegs Musikalischen, etwa die Choräle Bachs, die Arien aus der Zauberflöte und den Figaro wegnähme, verböte oder gewaltsam aus dem Gedächtnis risse, so wäre das für uns wie der Verlust eines Organes, wie der Verlust eines halben, eines ganzen Sinnes. (Hermann Hesse)
Kerstin Unseld
Letzte Änderung am: 05.05.2011, 09.36 Uhr