Dramma giocoso
aus Mainzer Musiksommer vom Samstag, 30.12.2006 | 22.00 Uhr | SWR2 Rheinland-Pfalz
Sendung in SWR2:
Sonntag, 19. März, 20.03 Uhr
mit: Philharmonia Chorus and Orchestra, Leitung: Karl Böhm
Così fan tutte ist die letzte der drei Opern, die Mozart in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Lorenzo Da Ponte schuf, und sie ist lange Zeit als die problematischste angesehen worden. Was sollte das romantische und moralische 19. Jahrhundert mit einer Geschichte anfangen, die von einem zynischen alten Mann, zwei jungen Offizieren und ihren Bräuten handelt, die hinsichtlich ihrer Treue auf die Probe gestellt werden und diese - sonst würde ja keine Oper daraus - nicht bestehen? Erst in den letzten Jahrzehnten hat Così fan tutte eine erstaunliche Renaissance erlebt, und dafür ist vor allem Mozarts Musik verantwortlich.
Così fan tutte ist ein typisches Produkt des galanten Ancien Régime, eine kleine dramatische Versuchsanordnung: Zwei Offiziere ziehen vermeintlich in den Krieg, kehren als Albaner verkleidet zurück und machen ihren Bräuten, jeder freilich der des anderen, so lange den Hof, bis diese schließlich zum Treuebruch und zur Hochzeit bereit sind. Wer aber sind nun die Düpierten? Alle vier müssen schließlich mit dem Verrat leben, den sie aneinander begangen haben.
Mozarts Kunst, mit seiner Musik die Personen niemals zu denunzieren, sondern immer um Verständnis für auch noch die aberwitzigste Handlung zu werben, macht aus diesem wie die Parodie einer Opera seria gestalteten Drama eine veritable comédie humaine, bei der die ernsten Anteile wie etwa Fiordiligis Ringen um Standhaftigkeit oder Ferrandos Verzweiflung mindestens so prominent sind wie die szenischen und musikalischen Slapsticks. Ob in dem lyrischen Terzett "Soave sia il vento", in der gespielten Sterbeszene der "Albaner", ob in Dorabellas exaltierter Verzweiflungsarie "Smanie implacabile oder Fiordiligis hinreißendem Rondo "Per pietà ben mio perdona" - Mozarts Musik schafft die jeweils adäquate Atmosphäre und gib den Personen ihre unverwechselbare Identität. Einmal mehr freilich hatte Mozart mit der Aufführung seiner neuen Oper Pech: Nach vielversprechend erfolgreichen ersten Aufführungen im Januar 1790 starb Kaiser Joseph II., und die Hoftrauer, während der alle Theater geschlossen bleiben mussten, machte Così fan tutte den Garaus.
Entstehung: Wien, 1789/90
Letzte Änderung am: 08.11.2005, 12.00 Uhr