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Schwäbischer Regionalkrimi von Maximilian Buck von der Ludwigsburger Filmakademie Trash Detective

Kultur Regional am 18.2.2016 von Julia Haungs

Die TV-Serie und die dazugehörigen Kinofilme "Die Kirche bleibt im Dorf" waren ein großer Publikumserfolg. Sie haben gezeigt, dass das Schwäbische sehr viel filmisches Potential hat.

Dass der Dialekt nicht nur komödienfähig ist sondern auch im ernsten Fach funktioniert, das will jetzt der junge Regisseur Maximilian Buck zeigen.

"Trash Detective" heißt das Kino-Debüt des Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie. Es ist ein düsterer Regionalkrimi, der die Abgründe des Schwäbischen auslotet.

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Schwäbische Provinz-Tristess

Szene aus "Trash Detektive"

In Matringen hat so ziemlich jeder Dreck am Stecken, und der "Trash Dedektive" ist angetreten, hier ein für alle Mal aufzuräumen. Kehrwoche hin oder her.

So trostlos hat man die schwäbische Provinz selten gesehen. Schneevermatschte Wälder, heruntergekommene Häuser, ein Alptraum in Eiche rustikal. Mancher, der hier wohnt, hat sich längst aufgegeben. So auch Uwe Krollhass, ein alter verwahrloster Säufer und ewiger Querulant. Als nach einer wilden Faschingsnacht die örtliche Schönheitskönigin spurlos verschwindet, ist Uwe sicher: das war Mord. Die Dorfpolizistin und die Eltern des Mädchens sind skeptisch, denn Uwe hat schon viele Geschichten erzählt.

"Ich hab Susi gesehen: in ihrem Auto. Blutüberströmt./Hannelore, es gibt keinen Beweis für das, was der Uwe da sagt. Und jetzt genießen wir das mal alle mit Vorsicht./Wann war das? Wo war das?/Du reagierst genauso, wie der das will!/Vielleicht haben sie ja Recht, Hannelore. Ich bin ja nicht gerade berühmt für meinen klaren Blick." Filmausschnitt

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Schwäbischer Krimi

Trash Detective | Kinostart 18.2.

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In dem schwäbischen Ort Matringen kennt jeder den Schrottbastler, Außenseiter und Trinker Uwe Krollhass (Rudolf Waldemar Brem).

In dem schwäbischen Ort Matringen kennt jeder den Schrottbastler, Außenseiter und Trinker Uwe Krollhass (Rudolf Waldemar Brem).

Nach dem Verschwinden der schönen Susi wittert Uwe Krollhass einen Mord. Er nimmt als selbsternannter "Trash Detective" die Ermittlungen auf eigene Faust auf.

Und weil Uwe zur mutmaßlichen Tatzeit völlig betrunken war, gerät er selbst in Verdacht. Ob Freund, Vater oder allen voran die hartnäckige Kommissarin Gabi Stolz – jeder will von ihm wissen, wo Susi (Luzie Buck) ist. Oder wenigstens ihre Leiche.

In Matringen hat so ziemlich jeder Dreck am Stecken, und der "Trash Dedektive" ist angetreten, hier ein für alle Mal aufzuräumen. Kehrwoche hin oder her.

Regisseur Maximilian Buck und Drehbuchautor Michael Glasauer beweisen mit "Trash Detektive", dass hinter dem Idiom und der Provinzidylle durchaus böse Wahrheiten lauern können. Dazu schicken sie das Fassbinder-Urgestein Rudolf Waldemar Brem als versoffenes enfant terrible Uwe Krollhass auf eine Tour de Force durch die Kleinstadt Matringen.

Bald gerät Uwe selbst ins Visier der Polizei. Schließlich hat er Susi in der besagten Nacht angemacht, ist besoffen mit ihrem Vater in Streit geraten und kann sich an Manches nur noch bruchstückhaft erinnern. Um zu beweisen, dass er hier Opfer und nicht Täter ist, macht er sich auf Spurensuche. Der selbsternannte Müll-Detektiv wühlt sich durch die Abfalltonnen der Nachbarn und findet heraus, dass ungefähr jeder in Matringen ein dunkles Geheimnis hat. So wie Kleists Michael Kohlhaas will Uwe Krollhass selbst für Gerechtigkeit sorgen, oder wie das bei ihm klingt:

"Ich will Gerechtigkeit, Gabi, verstehst du!? Einmal in meinem Scheißleben Gerechtigkeit!" Filmausschnitt

Der Antiheld

Szene aus "Trash Detective"

Rudolf Waldemar Brem als Uwe Krollhass.

Rudolf Waldemar Brem, ein Schauspielerurgestein, der schon bei Fassbinder spielte, ist ein wunderbar abgewrackter Antiheld. Die Falten wie mit einem Messer ins Gesicht gekerbt, nimmt man ihm sofort ab, dass dieser Krollhass seit Jahrzehnten keinem Streit aus dem Weg geht. Mit seiner Präsenz trägt Brem den Film über manche Holprigkeit des Drehbuchs hinweg. Auch manche Charaktere wirken allzu holzschnittartig.

Schräg und Derb

Die miefige Kleinstadt-Atmosphäre ist dagegen sehr stimmig. Die Schrecken, die in der Provinz lauern, malt Regisseur Maximilian Buck in den fahlsten Farben aus. Dabei schreckt er auch vor expliziten Gewaltdarstellungen nicht zurück. Stilistisch irgendwo zwischen "Fargo" und den Brenner-Krimis von Wolf Haas erzählt Buck die Geschichte mit großer Freude am Schrägen und Derben. Das Schwäbische trägt einen entscheidenden Teil dazu bei. Auch wenn die Entscheidung, "Trash Detective" in Dialekt zu drehen, zunächst keine künstlerische war, räumt der Nachwuchsregisseur ein.

"Wir hatten keine Kohle für den Film und haben dann gesagt, wir machen so ein Low Budget-Ding, für das wir alle Kontakte warm machen, die wir haben. Hier auf dem Dorf kennt jemand eine Tante, bei der man in die Wohnung darf, und die kann man dann als Set benutzen. Und dann haben wir gesagt, wir verankern es auch regional und machen es Schwäbisch. Ich find am Schwäbischen total genial, dass es so eine bildhafte Sprache ist. Man kann im Schwäbischen Dinge viel schneller auf den Punkt bringen, anders als im Hochdeutschen, wo man dann so rumeiert. Da reicht einem Schwaben ein Wort, und man sagt, ah, ich weiß, was du meinst." Maximilian Buck, Regisseur

Mit einem Budget von gerade mal 80.000 Euro ist Maximilian Buck ein überzeugendes Krimi-Genrestück gelungen. Er zeigt, dass Dialekt nicht bieder sein muss, er kann auch erfrischend anarchisch sein.

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