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Frankreich Schulbeginn in Zeiten des Terrors

Globales Tagebuch am 1.9.2016 von Marcel Wagner

Die französische "Rentrée", der Schulbeginn, ist ein gesellschaftliches Großereignis und läutet nebenbei auch das politische Jahr ein, das diesmal ein Wahljahr ist. Nachdem Terroristen mehrfach dazu aufgerufen hatten, Anschläge auf Schulen zu verüben, wurde selbst in der Sommerpause heftig am Sicherheitskonzept geschraubt. Schulen werden zu Festungen. Trotzdem: Absolute Sicherheit gibt es nicht.

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Die Schüler sind noch gar nicht eingetroffen, trotzdem herrscht vor der École Saint-Sebastien im 11. Pariser Arrondissement großer Trubel. Najat Vallaud-Belkacem, die französische Bildungsministerin ist da. Dazu auch noch Bernard Cazeneuve, ihr Kollege für das Innere. So kurz vor dem Schuljahresbeginn steht die Sicherheit der Schulen ganz oben auf ihrem Stundenplan.

Es gibt keine besondere Terrorbedrohung für die Schulen, versichert der Innenminister den Journalisten, es gibt eine generelle Bedrohung und deshalb sind wir bei den Schulen wachsam, genau so wachsam wie überall.

Seine Kollegin, die Bildungsministerin, nickt fleißig und weiß doch ganz genau, dass das nur zum Teil stimmt. Bei der ersten Serie islamistischer Anschläge in Frankreich galt 2012 ein Attentat einer jüdischen Schule. Drei Schüler kamen damals ums Leben. Seitdem haben Islamisten immer wieder dazu aufgerufen, sensible Orte in Frankreich anzugreifen. Schulen sind die sensibelsten. Das wissen die Eltern und machen sich Sorgen. Das weiß auch die Ministerin und will zeigen: Wir tun etwas:

"In diesem Jahr werden alle Schüler der dritten Stufe in Erster Hilfe und in Sicherheitsregeln geschult. Das sind Maßnahmen, mit denen wir eine Kultur der Sicherheit in den Lehrplänen verankern wollen." Najat Vallaud-Belkacem

Dabei soll es natürlich längst nicht bleiben und hier in der École Saint-Sebastien ist man längst Vorbild für andere. Schuldirektor Jean-Philippe Fey weiß, was es heißt, im Angesicht der Terrorgefahr zu unterrichten. Seine Schule liegt zwischen dem Bataclan und der Redaktion von Charly Hebdo. Einige Schüler mussten sich im Januar 2015 rennend vor den Attentätern auf das Satiremagazin in Sicherheit bringen.

"Nach den Attentaten wollten die Schüler wissen, was wir machen, um sie zu schützen." Jean-Philippe Fey

Die Schule hat seitdem aufgerüstet: Die Fenster im Erdgeschoss sind teilweise vergittert, die Tür ist immer abgeschlossen, am Eingang hängt eine Kamera, wer hier rein möchte, muss auf einer Liste stehen, die die Hausmeister kontrollieren. Sie tragen neuerdings immer das Schulhandy bei sich, um im Zweifelsfall sofort den Direktor oder die Polizei informieren zu können. Sicherheitskräfte, Zivilpolizei, Soldaten und Reservisten patrouillieren ohnehin vor allen Schulen im Land, versichert der Innenminister. Und Schuldirektor Fey bereitet sich darauf vor, im Rahmen des nationalen Sicherheitsprogramms für die Schulen künftig sogar die jüngsten Schüler auf Terror vorzubereiten:

"Das ist natürlich heikel. Wenn wir eine Übung machen, dann natürlich nicht mit einem Dummy-Terroristen mit falscher Waffe. Wir werden ihnen sagen: "Wenn jemand in die Schule kommt, der vielleicht etwas Böses möchte, dass man sich am besten versteckt, dass man keinen Lärm macht, einen sicheren Ort aufsucht. Für die Kleinen muss sich das ein Bisschen wie ein Spiel anfühlen." Jean-Philippe Fey

Ist das vielleicht sogar übertrieben?

Nein, nein, versichert der Direktor hastig. Das ist nicht übertrieben, das ist notwendig. Auch darum hat sich die Ministerin seine Schule als Vorzeigeprojekt ausgesucht:

"All diese Vorkehrungen sollen bald an allen schulischen Einrichtungen im Land gelten. Wir wollen so ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleisten." Najat Vallaud-Belkacem

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