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Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz Alfred-Döblin-Medaille für Roman Ehrlich

Kultur Regional am 15.3.2017 von Anke Sprenger

Roman Ehrlich ist mit der Alfred-Döblin-Medaille ausgezeichnet worden. Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz würdigt dabei insbesondere seinen erfolgreichen Debütroman "Das kalte Jahr" und seinen Erzählband "Urwaldgäste", in denen Roman Ehrlich Menschen in Ausnahmesituationen porträtiert.

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Aus der Begründung der Jury: "Sein Erzählen bewegt sich in den Untiefen der Wirklichkeit, es erkundet das Unheimliche, das bei ihm frei von jeder Sensation ist. Und ebenso leuchtet er tastend, fragend, vorwärts denkend und mit minutiöser Sorgfalt das Banale aus."

Was steckt hinter dem schönen Schein?

In einer Fernsehquizsendung tritt Frau S. aus P. als Kandidatin auf. Mitten im üblichen Smalltalk vertraut sie sich dem Moderator an, spricht von ihrer Berufsunfähigkeit und von einem immer wiederkehrenden Traum, von ihrem Vorhaben, ein Ferienhäuschen an der Küste in Wales zu kaufen. Während die Produktionsassistentin nervös auf sich aufmerksam macht, fragt der Moderator interessiert nach und hört weiter ruhig zu. Menschen erzählen von Schlüsselmomenten in ihrem Leben in vollkommen unerwarteten Situationen. Skurrile Szenen dieser Art, wie sie nur Roman Ehrlich in seinem Erzählband „Urwaldgäste“ erfinden kann. Erst durch eine Katastrophe oder Ausnahmesituation werden viele seiner Protagonisten mit der eigenen Lebenswirklichkeit konfrontiert.

Über den Film zur Literatur gefunden

Roman Ehrlich: "Es gibt eine Angst davor, zu bemerken, dass alles, worauf man vertraut, irgendwie auf Sand gebaut ist oder eine Illusion ist. Es geht hier nicht zwingend um die dunkle Seite, sondern es geht darum, dass es tatsächlich so eine unterliegende Struktur unter allem gibt, was die soziale Oberfläche ist."

Nicht alles in seinen Geschichten wiegt so schwer, wie es hier den Anschein hat. Roman Ehrlich gelingt es, eine gute Balance zwischen Entsetzen und Staunen über Kleinigkeiten des Alltags zu finden und dabei auch den Blick auch auf das Schöne zu lenken, auf eine hoffnungsvollere Zukunft, die sich der Leser allerdings oft selbst ausmalen muss. Zugang zur Literatur hat der im bayrischen Neuburg an der Donau aufgewachsene Ehrlich über den Film gefunden. Diese Leidenschaft teilte er anfangs mit seinem Vater. Erst später entdeckte er die Bücher, die Vorlage für viele dieser Filme waren.

Inspiriert durch "The Great Gatsby" von  F. Scott Fitzgerald

Anregungen für seinen aktuellen Roman „Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens“ erhielt er aus dem Buch „The Great Gatsby“, in dem die Hauptperson nicht im Zentrum der Handlung steht. Ein Regisseur sammelt die Angsterfahrungen seiner Schauspieler und Bühnenbildner, die schließlich das Drehbuch zu seinem Horrorfilm „Das schreckliche Grauen“ liefern.

Für Roman Ehrlich ist das fast so wie ein Oral History Projekt: "Wir wollen, dass jeder auf die Bühne geht, dass jeder von seiner Angst erzählt, und das wäre der ultimative Rohstoff für einen Horrorfilm, den wir dann drehen wollen." Roman Ehrlichs tief verschachtelte Geschichten mit berührenden und tiefgründigen Gedanken lesen sich dennoch leicht und machen am Ende sogar Lust, noch einmal von vorne anzufangen.

Roman Ehrlich: Das kalte Jahr

Roman Ehrlich

Das kalte Jahr

Verlag:
Dumont
Länge:
254 Seiten
Preis:
9,99 Euro
Bestellnummer:
978-3-8321-6296-2

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