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"Haute Couture" im Napoleonmuseum Schloss Arenenberg Karin Wehrheim über Pariser Mode vor 200 Jahren und ihre Zeitbezüge

Kulturthema am 2.5.2016 von Karin Wehrheim

Haute Couture wird uns heute regelmäßig auf den Laufstegen von Paris, Mailand und New York präsentiert. Sie flimmert über die Bildschirme und in Internet-Blogs, und ein ferner Hauch davon erreicht sogar die Discounter.

Vor 200 Jahren war das anders. Damals war Pariser Mode zwar auch der neueste Schrei, zu finden war sie aber fast ausschließlich in der französischen Hauptstadt. Und – am Bodensee. Denn dort hatte sich Hortense de Beauharnais niedergelassen, die Stieftochter Napoleon Bonapartes. Auf Schloss Arenenberg, im dortigen Napoleonmuseum, sind jetzt Roben zu sehen, wie Hortense sie vom kaiserlichen Hof in Paris mitgebracht hat – zum Erstaunen der Menschen am See.

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Garaderobe kam in Kisten aus Paris

Man sieht sie förmlich über die Kieswege vor ihrem Schlösschen schreiten, in einem langen Kleid aus grüner Seide, unter dem Busen leicht gerafft, einem blassgelben Spencer darüber mit Stehkragen und grünen Bommeln. So ging Hortense spazieren, in Konstanz, wo sie 1816 nach der Niederlage Napoleons ankam, und dann auf dem Arenenberg. Dort ließ sie sich ein Patrizierhaus mit Panoramablick über den Untersee und die Reichenau ausbauen. In Kisten kam ihre gesamte Garderobe aus Paris nach und sorgte am Bodensee für Aufsehen.

"Hortense kam nicht alleine: Sie hatte ein paar Gesellschaftsdamen, die bei ihr waren und die auch so angezogen waren. Ich denke, Konstanz war ein Laufsteg für die damalige Zeit." Christina Egli, Kuratorin

Videobeitrag zur Ausstellung:

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2:07 min

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Ausstellung auf Schloss Arenenberg

Das trug die feine Dame

Sabine Steinfurth

Samt, Seide und Musselin. Was Napoleon III. und Hortense de Beauharnais trugen, das Museum Schloss Arenenberg zeigt "Haute Couture! Pariser Mode vor 200 Jahren". Bis zum 25. September.

Neue Mode nach der Revolution

Die Französische Revolution hatte die Mode radikal verändert. Reifröcke, Schnürleiber und kunstvolle Turmfrisuren verschwanden.

"Weg mit der Perücke! Teilweise haben die Frauen kurze Haare getragen, was man noch nie gesehen hatte vorher. Und dann weg mit dem Korsett, weg mit der Krinoline, mit den Paniers, mit allem! Die konnten endlich mal atmen. Und dann haben sie auch Kleider, die ziemlich luftig waren, getragen. Die Stoffe waren auch viel leichter." Christina Egli

Ein weißes Kleid mit kurzer Schleppe hängt auf einem Stände in einem historischen Salon des Napoleonmuseums

Luftiges Kleid aus leichtem Stoff

Die Begeisterung für die Antike mit der Wiederentdeckung Pompejis, die Forderung aufklärerischer Köpfe wie Rousseau nach mehr Freiheit und Hygiene, all das führte dazu, dass Hortense in einem schlichten, aber hauchdünnen weißen Kleid auftrat. Einzige Extravaganz: aufgestickte rote Blumen am Saum.

"Eine ganz neue Art, auch den weiblichen Körper zu exponieren. Die Kleider waren sehr transparent. Man hat darunter dann aber doch ein ganz dünnes Hemd getragen oder eben "Pantalons aus seidenfarbenem Zeuche". Man imaginiert Nacktheit." Susanne Draschar

Dünne, leichte Stoffe waren im Empire à la mode und ein Stück weit Politik:

"Napoleon wollte die heimische Industrie, die Seidenindustrie, lancieren und hat deshalb für seinen Hof Seide angeordnet. Man hat aber auch Baumwollstoffe getragen, besonders diesen feinen Musselin, aber auch feines Leinen." Susanne Draschar

Kleider nach historischen Gemälden nachgenäht

Erhalten ist davon nichts. Die Garderobe von Hortense verschwand wohl in England. Die Kleider ihrer Zeit sind nach historischen Gemälden und aus alten Stoffen nachgenäht: Das Krönungsornat, ein perlenfarbenes Kleid mit aufgestickten Perlen und "queu de robe", einer roten ärmellosen Schleppe. Ein hellblaues Ballkleid mit Puffärmeln und Spitze am Dekolleté. Für den Mann ein dunkelroter Seidenfrack, dazu "pantalon à pont" und "gilet", Kniehose mit aufknöpfbarem Hosenlatz und blumenbestickte Weste.

"So unterschiedlich und so revolutionär die Veränderung in der Damenmode war, so hat sich da bei den Herren gar nicht so viel getan. Sie tragen immer noch dieses dreiteilige Ensemble wie man das hier sieht. Das ist immer noch das "abit à la francaise", das unter Ludwig XIV. aktuell war. Weniger weit, etwas schmäler, aber trotzdem immer noch aufwändig bestickt. Und dann natürlich auch Uniformen." Susanne Draschar

Kostüme auf Ständern sind in einem mit alten Möbeln und Bildern eingerichteten Salon drapiert

Kleid nach einem Porträt der Herzogin von Bassano

Mit Puppen in Szene gesetzt

Die auf kopflose Puppen gezogenen Roben sind in den Räumen von Schloss Arenenberg arrangiert, als hätten sich Hortense und ihre Gäste gerade erst weggebeamt. Die Puppen stehen, wie in leichte Konversation vertieft, am Tafelklavier im Salon, sind auf dem Weg zum gedeckten Tisch und ins Spiel vertieft über den Billardtisch gebeugt. Optisch ist das ein Genuss. Umso bedauerlicher, dass die Haute Couture im Napoleonmuseum nicht von Dauer ist.

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